Filmkritik und Kinotrailer

Unser Film der Woche: „Die Frau in Gold“

"Die Frau in Gold“ ist ein mitreißendes Justizdrama mit Helen Mirror und Ryan Reynolds in den Hauptrollen. Trotz seines Themas ist der Film überraschend leicht inszeniert.

Das „Bildnis Adele Bloch-Bauer I“, auch „Goldene Adele“ genannt, gilt als eines der wichtigsten Werke des Wiener Malers Gustav Klimt. Das Gemälde, ein herausragendes Werk des Jugendstils, wechselte 2006 für die Rekordsumme von 135 Millionen Dollar den Besitzer. Das war der bis zu jenem Zeitpunkt höchste Preis, der je für ein Bild gezahlt wurde. Nicht nur deswegen hat es in der Kunstwelt Geschichte geschrieben.

Eine nicht weniger aufsehenerregende Geschichte über frühere Eigentümer des Porträts erzählt der Brite Simon Curtis („My Week with Marilyn“) in seinem exzellent besetzten und gespielten Film „Die Frau in Gold“. Ende der Neunzigerjahre wendet sich die in Los Angeles lebende Jüdin Maria Altman (gewohnt souverän: Helen Mirren) mit einer Bitte an Randy Schoenberg (kann gut mithalten: Ryan Reynolds), einen Nachfahren des Komponisten Arnold Schönberg und vor allem der Sohn ihrer besten Freundin. Randy kommt wegen seiner Mutter aus dieser Geschichte nicht richtig raus, hat aber anfangs keinerlei Interesse an dem verzwickten Erbschaftsfall. Trotzdem reisen er und Maria bald nach Wien. Denn Randy kann die alte Dame, die nie wieder einen Fuß auf den Boden ihrer Heimat setzen wollte, von den großen Chancen überzeugen, mehrere Gemälde aus österreichischen Museen zurückzuerhalten: Alle Werke gehörten vor der Machtübernahme der Nazis einmal Marias Onkel. Es geht also um die Restitution von Beutekunst, um verblasste Erinnerungen und offene Rechnungen.

Zu dem spektakulären Rechtsstreit um das Klimt-Gemälde gab es im Jahr 2007 bereits den Dokumentarfilm „Stealing Klimt“ von Jane Chablani. Curtis gelingt es, seinem Film jenseits des mitreißend aufbereiteten Justizdramas eine zweite Ebene zu verleihen. In der werden parallel zur wahren, klassisch arrangierten David-gegen-Goliath-Geschichte komplexere Überlegungen über die Bedeutung von Erinnerungen verhandelt. Schon in „My Week with Marilyn“ verbindet der Regisseur Vergangenheit und Gegenwart sehr elegant miteinander. Seinen Film über Adele Bloch-Bauer, ihr Schicksal und ihr Porträt hat er ganz ähnlich angelegt. Manches ist zwar ein wenig zu sentimental ausgefallen, manche Szene birgt zu viel Dekor und zu wenig Substanz. Doch die geistreichen Reflexionen und der angenehme Distanz schaffende Humor rücken manche kleine Entgleisung ins Gefühlige wieder gerade. Insgesamt ist „Die Frau in Gold“ trotz des schweren Themas und des in den Rückblenden sehr unmittelbar inszenierten NS-Terrors überraschenderweise ein ganz leichter, warmherziger Film geworden.

von Ulrike Frick

„Die Frau in Gold“

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl

Regie: Simon Curtis

Laufzeit: 109 Minuten

Rubriklistenbild: © Robert Viglasky/SquareOne Entertainment/dpa

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