Happy Bärsday Berlinale: 60 Jahre Filmfestspiele an der Spree

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In diesem Jahr präsentiert sich die Berlinale zum 60. Jahr und feiert ein Jubiläum.

Berlin - Zum 60. Mal werden auf der Berlinale Filme vorgestellt und ausgezeichnet. Zum Jubiläum werden hochkarätige Gäste erwartet.

“Happy Bärsday Berlinale“ heißt das Motto der 60. Internationalen Filmfestspiele in Berlin vom 11. bis 21. Februar. Die Jubiläums-Berlinale soll trotz Krise glamourös werden; erwartet werden unter anderen Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio und Sir Ben Kingsley, wie Festival-Direktor Dieter Kosslick im DAPD-Interview ankündigte. Er schloss nicht aus, dass künftig auch 3-D-Filme eine große Rolle bei der Berlinale spielen könnten. Zudem sprach er über Sex in Filmen und Til Schweigers Chancen, am Wettbewerb teilzunehmen.

 

DAPD: Die Berlinale wird 60. Was ist zum Jubiläum geplant?

Kosslick: Zum einen ein Rückblick: Die Berlinale war immer ein besonderes Festival, immer ein politisches Festival und ist nach wie vor das größte Publikumsfestival. Wir haben schon jetzt über 100 Geburtstagsgrüße aus aller Welt bekommen - also heißt das Motto 'Happy Bärsday Berlinale'. Es wird aber keine große Geburtstagsparty geben. Die Filme auf der Leinwand sollen ein Feuerwerk entfachen. Wir wollen nicht nur sehnsüchtig zurückblicken, sondern auch in die Zukunft.

Wir machen uns Gedanken, was in den nächsten fünf bis zehn Jahren passieren wird. Technologische Veränderungen stehen an, Stichwort Digitalisierung. Verändern wird sich auch die gesamte Filmfestivalindustrie. Die Filme werden dann vielleicht nicht mehr physisch da sein, sondern über codierte Satelliten über digitale Projektoren eingespeist. Das hat den Vorteil, dass die Ökobilanz verbessert wird, weil die ganzen Transporte wegfallen. Es ist die Frage, ob es noch Weltpremieren geben wird. Vielmehr werden Festivals noch mehr die Funktion haben, eine Auswahl an Filmen zusammenzustellen.

Man will sich die Welt kuratiert zeigen lassen. Die Festivals sollen den Besuchern das Gefühl vermitteln, Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, in der man etwas diskutiert - abseits des audiovisuellen Rausches, in dem sich die Menschheit im Moment von morgens bis abends befindet.

DAPD: Die Zahl der Kinos ist trotz steigender Besucherzahlen rückläufig. Widmen Sie sich auch diesem Thema?

Kosslick: Ja, das Kino als physischer Ort, als soziale Architektur, ist auch ein wichtiges Thema. Wir wollen schauen, ob der technologische Fortschritt, also Digitalisierung oder 3-D, das Kinosterben verlangsamt.

DAPD: Wird die Krise ein Thema sein?

Kosslick: Nein, die Krise ist schon bei der letzten Berlinale mit mehreren Filmen thematisiert worden. Die Menschen haben keine Lust mehr auf Krise.

DAPD: Das heißt, die Berlinale wird nichts von ihrem Glamourfaktor einbüßen?

Kosslick: Wir wollen ein Festival sein, das einen Beitrag dazu leistet, dass die Welt besser weitergeht. Das wird dem Glamourfaktor natürlich nicht schaden. Wenn alle Stars der eingeladenen Filme kommen, dann wird der rote Teppich voll. Ich gehe davon aus, dass wie jedes Jahr die Regisseure und Hauptdarsteller anwesend sind, unter anderem Martin Scorsese, der seinen Film “Shutter Island“ vorstellt, mit Leonardo DiCaprio und Sir Ben Kingsley. Natürlich erwarten wir auch den indischen Superstar Shah Rukh Khan.

DAPD: War es schwer, den Roman-Polanski-Film “Ghost Writer“ mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan und Kim Catrall für das Festival zu bekommen?

 Kosslick: Es ist nie leicht, einen großen Film zu einem bestimmten Zeitpunkt mit allen Stars irgendwo zu haben. Aber das Studio, der Regisseur und die Produzenten wollten zur Berlinale, und wir wollten den Film. Es passte also alles zusammen.

DAPD: 3-D-Filme werden stark beworben, es stehe eine Epochenwende bevor, heißt es sogar. Sind solche Produktionen auch für die Berlinale ein Thema?

Kosslick: Als epochales Werk würde ich es dann sehen, wenn man keine Brille aufsetzen müsste, sondern es 3-D-Kontaktlinsen gäbe (lacht). Aber es gibt ja viele 3-D-Leinwände in Berlin. Wenn wir einen guten 3-D-Film hätten, würden wir den zeigen.

DAPD: Das heißt, wenn Steven Spielberg mitmacht, könnte man eventuell im kommenden Jahr seine 3-D-Version von “Tim und Struppi“ auf der Berlinale sehen?

Kosslick: Ja klar, dann gehe ich da gerne mit meinem (Sohn) Fridolin hin. Wir hätten auch Avatar gezeigt, wenn er im Februar rausgekommen wäre. Eigentlich aber dachte ich immer, dass es die Faszination ist, aus der dreidimensionalen Welt in die zweidimensionale Welt des Kinos zu gehen und so die Fantasie anzuregen.

DAPD: Es gibt Kritiker, die bemängeln, dass es im Gegensatz zu den 80er und auch noch 90er Jahren in Qualitäts-Filmen kaum noch Liebes- und Sexszenen gibt. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass Blockbuster ansonsten erst ab 18 Jahren frei seien. Haben Sie eine ähnliche Tendenz festgestellt?

Kosslick: Nachdem ich jetzt seit Wochen Filme schaue, kann ich nicht bestätigen, dass darin zu wenig Sex ist. Ich habe bis jetzt mehrere Stunden Sex im Kino gesehen - und wir sind immerhin ein Kunstfilmfestival.

DAPD: Aber für die großen Blockbuster gilt das wohl nicht...

Kosslick: Der Erfolg von Filmen liegt nicht darin, ob eine Sexszene drin ist oder nicht. Ich glaube vielmehr, dass die Relevanz der Themen immer mehr an Wichtigkeit gewinnt. Bei meinen Reisen durch die ganze Welt habe ich bemerkt, dass der sogenannte kleine Film groß rauskommt. Den gab's ja auf der Berlinale schon immer, der gewann sogar Goldene Bären. Die unabhängigen Filmemacher sind gestärkt aus der Krise gekommen.

DAPD: Das ist ja ein Kritikpunkt an der Berlinale: Die häufigen Siege von Außenseiterfilmen und die chancenlosen Hollywoodproduktionen...

Kosslick: Das würde ich nicht sagen. Es ist nicht so, dass der Hollywoodfilm keine Bären gewinnt. “The Hours“ mit Nicole Kidman gewann drei Bären. Aber natürlich tendieren unabhängige Jurys dazu, den Newcomern und unabhängigen Filmleuten eine größere Chance einzuräumen als großen Filmen aus großen Studios. Das ist aber nicht filmspezifisch, sondern trifft auch auf Literaturfestivals zu. Juryentscheidungen führen oft zu Verwunderung.

DAPD: Hätte eigentlich jemand wie Til Schweiger eine Chance, für den Wettbewerb ausgewählt zu werden?

Kosslick: Absolut. 'Knocking on heaven's door' würden wir sofort zeigen. Til Schweiger ist doch ein guter Filmemacher. Dass er ein sehr spezielles Verhältnis zur Kritik hat oder die Kritik zu ihm, das ist eben so. Das kenne ich von der Berlinale. Aber oft ist das nicht so schlimm. Am Ende lieben wir doch alle das Kino.

Holger Mehlig

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