Tragikomödie mit Florian David Fitz

Charmante Leichtigkeit im Drama "Hin und weg"

Sterbehilfe und Freitod: Regisseur Christian Zübert erzählt in seinem Drama „Hin und weg“ schwere Themen mit ungewohnt charmanter Leichtigkeit. Unsere Kino-Kritik:

An der unheilbaren Muskellähmung ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, ist unter anderem der Physiker Stephen Hawking erkrankt. Bis zum Sommer kannte diese Krankheit kaum jemand – dann wurde sie durch die sogenannte „Ice Bucket Challenge“ ins Zentrum der Öffentlichkeit gerückt: Vor laufender Kamera kippten sich erst Prominente, später auch Normalbürger einen Kübel Eiswasser über den Kopf.

Davon konnten Regisseur Christian Zübert und seine Produzenten Florian Gallenberger und Benjamin Herrmann nichts ahnen, als sie vor langem mit Ariane Schröder begonnen haben, Skript und Konzept ihres Films „Hin und weg“ zu verfassen. Erzählt wird von ALS-Patient Hannes (Florian David Fitz). Nur dessen Freundin Kiki (Julia Koschitz) weiß von der Erkrankung. Hannes leidet schon seit Jahren unter der Krankheit, die eine immer aggressivere Verlaufsform annimmt und ihm nicht mehr viel selbstbestimmte Lebenszeit lassen wird. Eine Entscheidung hat Hannes längst getroffen. Auf der Fahrradtour, die er, Kiki und ihre Freunde einmal im Jahr unternehmen, soll es nach Belgien gehen. Denn dort ist Sterbehilfe nicht verboten.

Schwere Themen mutet Christian Zübert („Dreiviertelmond“) seinen Zuschauern da zu. Denn neben Sterbehilfe und Freitod dreht sich die Geschichte auch um die Ehekrise von Mareike (Victoria Mayer) und Dominik (Johannes Allmayer) sowie um den Vertrauens- und Bruderkonflikt zwischen Hannes und Finn (Volker Bruch). All das sind schwere Brocken, die Zübert jedoch mit einer ungewohnt charmanten Leichtigkeit serviert. Das liegt weniger am Drehbuch, das oft ziemlich holpert und vor allem in den Szenen rund um den Swingerclub deutlich vernehmbar originell mit platt verwechselt. Auch die Sterbeszene von Hannes hätte man sich etwas subtiler und eleganter gewünscht. Dass das durchaus möglich ist, zeigten beispielsweise Lars Kraume in seinem herzzerreißenden „Meine Schwestern“ oder Frederik Steiner mit „Morgen Mittag bin ich tot“.

Doch Christian Züberts hervorragende, treffend typbesetzte Darsteller überspielen so manche Drehbuchschwäche scheinbar mühelos und weit entfernt von allen Klischees: Jürgen Vogel etwa ist der ewige Maulaufreißer und Weiberheld, der natürlich auch ins Zelt noch ein Mädel mitschleppt. Die Witze seiner Figur zünden tatsächlich auch in der angespanntesten Situation verlässlich

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Mathias Bothor/Majestic

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