"Höhere Gewalt": Wie bei Freud

Wer an Freud, den Narzissmus und die Lüge vom Glück glaubt, hat bei Ruben Östlunds „Höhere Gewalt“ sicherlich Vergnügen. Für andere könnte die Satire zu bitter sein.

Die Geschichte klingt derber als sie ist: Eine Familie macht in den Alpen Urlaub. Als sie in einem Bergrestaurant sitzt, geht eine Lawine ab und droht, die Gäste zu verschütten. Doch nachdem sich der Schneestaub gelegt hat, tauchen alle wohlbehalten wieder auf. Mit einem Unterschied: Statt sich wie die Mutter schützend vor die Kinder zu stellen, ist der Vater geflohen – ohne an die Lieben zu denken.

Wer an die Familie glaubt, an den Frieden zwischen Mann und Frau sollte sich Ruben Östlunds Satire „Höhere Gewalt“ lieber nicht anschauen. Zu bitter ist, was der Regisseur serviert. Wer dagegen an Freud, den Narzissmus und die Lüge vom Glück glaubt, hat Vergnügen. Unter anderem, weil das subtil ironische Drama mit Mythen aufräumt: Der Mann als Beschützer wird ebenso zerlegt wie die Ehe an sich. Allein das Verharren der Kamera in besinnlichen Momenten, die letztlich keine sind, macht den Film sehenswert, auch wenn 118 Minuten Länge etwas zu viel des Guten sind.

Katrin Hildebrandt

Rubriklistenbild: © AlamodeFilm

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