„No Country For Young Women“

Tommy Lee Jones im Western "The Homesman"

Der neue Kino-Western "The Homesman" mit Tommy Lee Jones und Hilary Swank in den Hauptrollen könnte auch „No Country For Young Women“heißen.

Der Film könnte auch heißen „No Country For Young Women“: Sein Nebraska der Wild-West-Ära ist kein Ort für junge Frauen – gleich zu Beginn treibt er drei der Siedlerinnen dort, traumatisiert von den Härten ihres Lebens, in den Wahnsinn. Ihre Gemeinde will die Bedauernswerten zurückschicken in die Obhut von Zivilisation und Kirche. Doch niemand findet sich dafür freiwillig als Kutscher – außer der alleinstehenden Mary Bee Cuddy (Hilary Swank). Die gabelt sich unterwegs dann sogleich männliche Unterstützung auf, in Gestalt des schratigen Viehdiebs Briggs.

Wer sich heimisch fühlt in der kargen, rauen Landschaft, in den altertümlichen Rhythmen jener Zeit, das ist Tommy Lee Jones: Was Schauplatz und Atmosphäre betrifft, hat er für seine zweite Regiearbeit einen fast idealen Stoff gefunden. Und er hat freilich auch sichtlich Spaß, sich in der Rolle des so verwahrlosten wie verschlagenen, selbstmitleidigen wie gewalttätigen Outlaws Briggs zu inszenieren. Wobei er Swank und dem Rest des exzellenten Ensembles genug Raum lässt zur Entfaltung ihres Könnens.

Doch hätte es gewiss Berufenere gegeben für das Thema des Films. Mag sogar sein, dass Jones und seine Co-Autoren glauben, mit der Verfilmung eines Romans von Glendon Swarthout eine Art feministischen Western gedreht zu haben. Doch seine Vorstellungen von weiblicher Psyche sind, gelinde gesagt, problematisch.

Den drei Siedlerinnen raubt der Film mit dem Verstand auch gleich jede Sprache und menschliche Individualität, Persönlichkeit; ihre Reise nach Osten gleicht eher einem Viehtransport. Und das Leiden Mary Bee Cuddys an ihrer Ehelosigkeit treibt der Film auf eine absurde Spitze.

Es gibt Momente, da scheint auf, dass „The Homesman“ ein Film hätte sein können darüber, wie einer Gesellschaft mit ihren Normen, Ansprüchen, Zumutungen die Flucht in den Wahnsinn als beste, als einzige Lösung erscheinen lässt, zumal für Frauen. Und wie sie mit diesem Wahnsinn umgeht. Doch „The Homesman“ teilt letztlich zu viele der Vorurteile, statt sie nur darzustellen. Und wie schon der Titel verrät, ist es dann eben kein Film über Frauen, die den Widrigkeiten trotzen, sie bewältigen – sondern darüber, wie am Ende doch wieder die alten Männer alles richten müssen.

Thomas Willmann

Rubriklistenbild: © Universum Film/dpa

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