Schwedens Forrest Gump

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Berlin - Felix Herngren verfilmte Jonas Jonassons Erfolgsroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Das Ergebnis: Eine Art "Forrest Gump" der Schweden.

An seinem 100. Geburtstag klettert Allan Karlsson (Robert Gustafsson) aus dem Fenster seines Zimmers. Er flüchtet vor der Party, die man im Altersheim für ihn organisiert hat. Am Busbahnhof beaufsichtigt er für einen Mitreisenden einen Koffer – als der junge Mann nicht mehr auftaucht, nimmt Allan das Gepäckstück mit auf seine Reise. Der Koffer ist, wie Allan später feststellt, prall gefüllt mit Geldscheinen. Und da an diesen Scheinen mehrere Leute interessiert sind, hat Allan bald ein paar Verfolger auf seinem Trip quer durchs Land. Parallel erzählt Regisseur Felix Herngren in Rückblenden Allans bewegtes Leben: Sein von Kindesbeinen an auffälliges Interesse für Sprengstoff führt den unbedarften und politisch völlig uninteressierten Kerl mit den wichtigsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte zusammen, von General Franco über Truman bis Stalin. Mit allen zecht Allan ausgiebig.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist der überraschend erfolgreiche Debütroman des schwedischen Autors Jonas Jonasson. Monatelang hielt sich die eher grob humorige Geschichte des schwedischen Forrest Gump in den Bestsellerlisten. In über 30 Sprachen wurde sie inzwischen übersetzt und allein in Deutschland über zwei Millionen Mal verkauft. Für eine Verfilmung bedeutet eine solche Popularität der Vorlage immer Segen und Fluch zugleich. Herngren riskiert dementsprechend wenig und erzählt den Roman recht genau nach. Ein paar Nebenfiguren fehlen, ein paar dramaturgisch begründete Akzentverschiebungen sind zu bemerken. Doch Fans des im Plauderstil gehaltenen Buches werden auch vom ähnlich angelegten Film nicht enttäuscht sein: Die wichtigsten Stationen kommen vor, manche aberwitzige Wendung ebenfalls.

Den warmherzig-ironischen Ton der Vorlage trifft Herngren sehr genau, wenn er die Reise des alten Herrn bebildert. Der Blick, den Allan auf die Weltgeschichte der vergangenen hundert Jahre wirft, ist skurril, originell und immer witzig – auch wenn die Regie zum Ende hin allzu sehr auf Slapstick setzt, und der Film gerade durch ständige Gag-Wiederholungen an Tempo verliert.

Mit dem wandlungsfähigen Robert Gustafsson hat Herngren die ideale Besetzung für seinen Titelhelden gefunden. Der schwedische Komödiant hat ein exzellentes Gespür für Timing, für die altersentsprechende Mimik und Gestik – die unaufdringliche, gute Maske erledigt den Rest.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Concorde Filmverleih GmbH/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.