Kinotrailer und Filmkritik

Woody Allens neuer Film: „Irrational Man“

In den besten Momenten bezaubert „Irrational Man“, der neue Film von Woody Allen, durch elegante Schwerelosigkeit

46 Spielfilme hat er mit seinem aktuellen, „Irrational Man“, mittlerweile gedreht. Und angeblich keinen davon nochmals angesehen, nachdem das Werk den Schneideraum verlassen hat. Das spart Lebenszeit und könnte ein Grund sein, warum Woody Allen auch mit seinen beinahe 80 Jahren noch alljährlich einen Film ins Kino bringen kann. Dabei sind einige seiner Arbeiten wirklich einen zweiten Blick wert.

„Irrational Man“ gehört zweifellos dazu. Allein wegen Joaquin Phoenix, der sich eine hübsche Wampe angefressen hat, um den versoffenen, abgehalfterten, impotenten Philosophieprofessor Abe Lucas zu spielen. Der Blick erloschen, die Vorlesung zum reinen Namedropping verkommen – in dieser ausgepressten Zitrone steckt kein Tröpfchen Lebenssaft mehr. Kollegengattin Rita (Parker Posey) und die niedliche Studentin Jill (Emma Stone) himmeln ihn trotzdem an. Bis er eines Tages mit Jill im Diner sitzt und zufällig ein Gespräch am Nebentisch mithört. Lucas beschließt, das Schicksal dieser verzweifelten Unbekannten in die Hand zu nehmen und ihr zu etwas Lebensglück zu verhelfen – indem er einen anderen Menschen umbringt. Keine Spur würde zu ihm, dem Dozenten im verknitterten Leinensakko, führen. Es wäre das perfekte Verbrechen. Fortan schmiedet der enthusiasmierte Akademiker Mordpläne und steckt voller Elan. Seine Vorträge werden inhaltsreicher, im Bett klappt’s auch wieder – egal mit welcher Dame. Alles bestens, so scheint es jedenfalls.

Kennt man einen, kennt man alle: Das Konzept des typischen Woody-Allen-Films funktioniert auch hier. Etwas Spannung, Drama, Liebe, angesiedelt in der Welt kultivierter Geistesmenschen, versetzt mit bitterem Humor und spitzen Bonmots. Dazu natürlich eine erstklassige, klangvolle Besetzungsriege. „Irrational Man“ mag nicht der bezauberndste Film des Meisters geworden sein, und Innovationen sehen sicher anders aus. Origineller und inspirierter als die jüngsten Produktionen Allens ist er aber zweifellos. Und in manchen Szenen kann der Film sogar an die elegante Schwerelosigkeit seiner herrlichen Krimikomödien wie „Manhattan Murder Mystery“ anknüpfen.

„Irrational Man“

mit Emma Stone, Joaquin Phoenix, Parker Posey

Regie: Woody Allen

Laufzeit: 95 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Manhattan Murder Mystery“ oder „Scoop“ mochten.

Rubriklistenbild: © Sabrina Lantos/Warner Bros./dpa

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