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„Jurassic World“: Die große Saurier-Sause

„Jurassic World“  von Colin Trevorrow ist ein gigantisches Spektakel, das die Zuschauer von den Sitzen haut.

Das waren noch Zeiten: Vor 22 Jahren, in Steven Spielbergs „Jurassic Park“, mussten wild gewordene Dinosaurier bloß eine Handvoll Leute fressen, um die Kinozuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Inzwischen werden in Actionfilmen ganze Städte ausgelöscht – die Macher denken sich ständig spektakuläre neue Szenarien aus, damit sie die Sensationslust des Publikums befriedigen können. Den beiden lauwarmen Dino-Fortsetzungsfilmen ist das nicht mehr gelungen: Während Spielbergs Katastrophenfilm-Klassiker von 1993 noch Maßstäbe in puncto Spezialeffekte setzte, konnte etwa der katastrophale Aufguss „Jurassic Park III“ 2001 allenfalls Maßstäbe in puncto Peinlichkeit setzen. Wer nun befürchtet, der vierte Film der Serie würde einen neuen Tiefpunkt markieren, wird indes angenehm überrascht.

Das erstaunt insofern, als Koautor und Regisseur Colin Trevorrow zuvor nur einen einzigen Spielfilm gedreht hatte – eine Zeitreise-Komödie, die bei uns unter dem Titel „Journey of Love“ ausschließlich auf DVD herauskam. Inhaltlich bietet seine Saurier-Sause nichts Neues: Wieder werden die Menschen für ihre Hybris bestraft und von Monstern gejagt, die sie selbst erschaffen haben. In diesem Fall basteln die Betreiber eines Dino-Themenparks auf einer subtropischen Insel an genmanipulierten Urzeitviechern, weil die Besucher – ähnlich wie das Kinopublikum – nach immer neuen Attraktionen lechzen. So erschaffen sie den Indominus Rex, einen hybriden Giga-Saurier, der noch größer und gefährlicher ist als der T. Rex. Was dann passiert, ahnen Sie vermutlich schon: Erst bricht die Bestie aus, dann das Chaos. Es gilt, 20 000 Parkgäste zu retten, ehe sie zu Dino-Fastfood werden. Immerhin bietet der Film einige interessante Figuren, etwa den Themenpark-Boss Masrani (Irrfan Khan), einen exzentrischen Milliardär, der sich selbst ans Steuer seines Helikopters setzt, um aus der Luft den Sauriern Saures zu geben. Oder den raubeinigen Tiertrainer Owen (Chris Pratt), dem es gelungen ist, Velociraptoren zu zähmen – eine Art Dino-Flüsterer, der auch „Der mit dem Raptor tanzt“ heißen könnte. Bryce Dallas Howard hat dagegen die undankbare Rolle der ehrgeizigen Managerin Claire, die hochhackig durch den Urwald stöckelt und sich erst langsam von einer unangenehmen Business-Tussi zu einer tapferen Actionheldin wandelt. Die erfrischend unschmalzige Romanze zwischen Owen und Claire führt zu neckischen Wortgefechten, doch leider knistert es zwischen den beiden weniger als zwischen Owen und den Raptoren.

Genug geredet über die Fleischeinlage – kommen wir zu den wahren Stars des Films: den Dinos. Hier haben die Spezialeffekte-Abteilungen tatsächlich Atemberaubendes geleistet. Die Viecher, vom fiesen Indominus Rex über die rasenden Raptoren bis hin zum riesigen Mosasaurus, der einen Weißen Hai verschlingt, sind Meisterwerke der Tricktechnik – sowohl von furchterregender Präsenz wie auch von betörender Schönheit. So ist Trevorrow eine erfolgreiche Wiederbelebung der Saurier geglückt, eine hübsche Balance zwischen Nostalgie und Innovation: Für Fans finden sich einige liebevolle Reminiszenzen an den ersten „Jurassic Park“-Film. Auch der Genetiker Dr. Henry Wu (BD Wong) ist wieder mit von der Partie. Das Spannungslevel bleibt hoch, die Wow-Momente sind dicht gesät; allerdings geht es oft so heftig zur Sache, dass der Film definitiv nichts für jüngere Kinder ist. Die 3D-Fassung kann man sich (anders als etwa bei „Avatar“ oder „Life of Pi“) durchaus sparen, doch sollte man den Film unbedingt auf der Lichtspielhaus-Leinwand sehen. Denn „Jurassic World“ ist ganz großes Kino: ein gigantisches Spektakel, das einen buchstäblich vom Sitz haut.

von Marco Schmidt

„Jurassic World“ 

Laufzeit: 124 Minuten

mit Chris Pratt, Irrfan Khan

Regie: Colin Trevorrow

Rubriklistenbild: © Universal Pictures/dpa

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