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"Die Karte meiner Träume": Neues vom Amélie-Regisseur

In „Die Karte meiner Träume“ nutzt Jean-Pierre Jeunet klug die 3D-Technik und schafft ein Märchen für die ganze Familie.

Der hochbegabte Knirps T. S. Spivet (Kyle Catlett) lebt auf einer abgelegenen Farm in Montana, wo niemand seine außerordentlichen Fähigkeiten erkennt. Als das berühmte Smithsonian-Institut in Washington ihn für eine seiner Erfindungen mit einem Wissenschaftspreis für die bahnbrechendste Innovation des Jahres auszeichnen will, macht er sich heimlich als blinder Passagier eines Güterzugs auf die Reise quer durch Amerika. In Washington ahnt indes keiner, dass der Preisträger erst zehn Jahre alt ist – und dass er ein tragisches Geheimnis hütet.

Mit seiner schier überbordenden Fantasie entführt uns „Amélie“-Regisseur Jean-Pierre Jeunet diesmal in die fabelhafte Welt des T. S. Spivet. Frei nach Reif Larsens Debütroman und mit satirischen Seitenhieben aufs Reality-TV erzählt er die berührende Geschichte eines verträumten Wunderknaben, dessen Erfindergeist ebenso von allen Erwachsenen ignoriert wird wie seine Sehnsucht nach Liebe. Der ähnlich hochbegabte Hauptdarsteller Kyle Catlett trägt dank seines bezaubernden Charmes den Film locker auf seinen kleinen Schultern. Als er „Die Karte meiner Träume“ vor knapp zwei Wochen zur Eröffnung des Münchner Filmfests präsentierte, verkündete er bei einem Podiumsgespräch im Gasteig: „Wenn ich mal groß bin, möchte ich Schauspieler, Wissenschaftler und Präsident werden.“ Na dann: Viel Glück!

An der Seite des liebenswürdigen Mini-Einsteins überzeugen Judy Davis als schlitzohrige Smithsonian-Schreckschraube, Helena Bonham Carter als verschrobene Insektenforscherin und Mutter von T. S. sowie Callum Keith Rennie als dessen Vater, ein wortkarger Möchtegern-Cowboy, der mit Vorliebe Western guckt und Whisky schluckt. „Delicatessen“-Hauptdarsteller Dominique Pinon, der in allen sieben Kinofilmen von Jean-Pierre Jeunet zu sehen ist, hat diesmal einen Gastauftritt als fabulierender Landstreicher.

Schlichtweg traumhaft: die sinnlichen, farbsatten, schillernden Bilder, in die man tief eintauchen kann – nicht zuletzt deshalb, weil kaum je ein Film die Möglichkeiten der 3D-Technik auf derart kluge und verblüffende Weise genutzt hat wie „Die Karte meiner Träume“. So gelingt dem Kino-Magier Jeunet ein hinreißendes, von leiser Melancholie umwehtes modernes Märchen für die ganze Familie (freigegeben ohne Altersbeschränkung), bei dem man auch als erwachsener Zuschauer mit großen Augen und offenem Mund staunt wie ein kleines Kind.

Ein Tipp: Gönnen Sie sich dieses visuell überwältigende Kino-Erlebnis unbedingt auf einer großen Leinwand – und unbedingt in 3D!

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © Jan Thijs/DCM

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