Kinotrailer und Filmkritik

„Kind 44“: Tom Hardy jagt einen Serienkiller

Daniél Espinosas Thriller „Kind 44“ nach Tom Rob Smiths Roman vereint optische Sorgfalt und ein spannendes Skript.

Abwechslung muss sein. Vor allem im Krimigenre. Wer mag schon den 264. skandinavischen Meuchelmörder in blaugrauen Bildern durch den Herbstwald laufen sehen, während der dazugehörige Ermittler einsam sein Butterbrot kaut oder Eheprobleme wälzt? Und selbst die weniger depressiven britischen Inspektoren haben sich mal eine Pause verdient. Da kommt die Verfilmung von Tom Rob Smiths Kriminalroman „Kind 44“ wie gerufen. Zwar ist der Autor ausgerechnet Sohn eines Briten und einer Skandinavierin. Seine Trilogie über den kriminalistisch ermittelnden Agenten Leo Demidow allerdings spielt in der Sowjetunion der Fünfzigerjahre.

Blaugrau und melancholisch ist hier gar nichts. Stattdessen war die Welt zu Stalins Zeiten braun, schmuddelig und dunstig – zumindest in den Augen von Regisseur Daniél Espinosa und seinem Kameramann Philippe Rousselot. Die beiden lassen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass ihr Thriller mit beachtenswertem Produktionsaufwand entstanden ist. Geschätzte 50 Millionen US-Dollar stecken im Film. Das ist im Vergleich zu den richtig großen Blockbustern nicht viel. Bei den Kriegs- und Massenszenen allerdings fällt das sichtbar ins Gewicht. Die Interieurs sind liebevoll arrangiert und wirken glaubhaft, die Kulissen sind martialisch, und das Geschehen vermittelt sich von der ersten bis zur letzten Sekunde in plastischer Dringlichkeit. Diese optische Sorgfalt und das spannungsgeladene Drehbuch sorgen dafür, dass der Film trotz einer Dauer von 137 Minuten niemals ermüdend wird.

Obwohl alles mit allem zusammenhängt, erzählt „Kind 44“ drei verschiedene Geschichten: die der stalinistischen Gesellschaft, die einer vermeintlich großen Liebe und die eines Kindermörders, der vom Protagonisten Leo (Tom Hardy) verfolgt wird. In Noomi Rapace als Leos Gattin Raisa und in Gary Oldman als knorrigem General fand Daniél Espinosa zwei wunderbare Ko-Darsteller. Vor allem Rapaces Figur bügelt in ihrer Widerspenstigkeit und Humanität die Schwächen und Klischees der Haupthandlung aus. Da fällt es dann kaum mehr ins Gewicht, dass die Zusammenhänge nicht immer klar sind, der Plot nicht immer realistisch ist und die Bösewichte psychologisch keine Tiefe entfalten.

von Katrin Hildebrand

„Kind 44“

mit Tom Hardy, Noomi Rapace

Regie: Daniél Espinosa

Laufzeit: 137 Minuten

Rubriklistenbild: © Larry Horricks/Concorde Filmverleih/dpa

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