Kino-Trailer und Kritik

"Taxi": Nachtschattengewächse unter Beobachtung

Taxifahrerin in Hamburg: Alex (Rosalie Thomass) chauffiert hier einen Besoffenen (Armin Rohde). Foto: Georges Pauly/ Farbfilm

Kerstin Ahlrichs’ Film „Taxi“ lebt von der Leistung der Kamerafrau Sonja Rom sowie der Darsteller Peter Dinklage und Rosalie Thomass

Alex (Rosalie Thomass) bricht ihre Lehre zur Versicherungskauffrau ab, zieht zuhause aus und will das Leben endlich so spüren, wie es wirklich ist: wild, derb und unaufgeräumter als bei Mutti daheim. Kurz entschlossen heuert sie als Taxifahrerin in Hamburg an. Nur nachts kurvt sie durch die Straßen der Stadt, fährt Amüsierwillige zur Reeperbahn, Betrunkene nach Hause und „Herrn und Frau Pfeffersack“ ins Restaurant. Kerstin Ahlrichs zeichnet, unterstützt von der großartigen Kamerafrau Sonja Rom, ein facettenreiches, dichtes Stimmungsbild der frühen Achtzigerjahre in Hamburg. Aufmerksam, aber bewusst unbeteiligt wie ein Wissenschaftler beobachtet sie die versammelten Nachtschattengewächse aus Karen Duves Romanvorlage. So entstehen schöne, spannungsreiche Momente. Immer dann, wenn wenig gesprochen wird und die Darsteller – allen voran der fantastische Peter Dinklage („Game of Thrones“) und Rosalie Thomass – ihr Können mit wenigen Blicken beweisen.

Ansonsten gibt sich „Taxi“ oft allzu prüde. Wo sich in Duves sprödem Roman alles um die Unverbindlichkeit von Sex und die Verbindlichkeit von Beziehungen dreht, findet Regisseurin Kerstin Ahlrichs nur brave Bilder und noch bravere Dialoge. Letzteres überrascht besonders, schließlich war Duve selbst für das Drehbuch verantwortlich. (In München: Studio Isabella, Rio, Arena.)

„Taxi“ mit Rosalie Thomass, Stipe Erceg

Regie: Kerstin Ahlrichs

Laufzeit: 94 Minuten

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