Warum sich ewig binden?

"Lolo – Drei ist einer zu viel": Ein Satansbraten mit Engelszügen

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Selfie mit Promi – hätte es René (Dany Boon, li.) mal dabei belassen. Doch durch Substanzen, die ihm der Sohn seiner Freundin in den Drink gegeben hat, gerät der Abend zu einem peinlichen Auftritt vor den sonnenbebrillten Augen von Star-Designer Karl Lagerfeld (re.).

München - In Julie Delpys Komödie „Lolo – Drei ist einer zu viel“ gibt Dany Boon wieder mal das liebenswerte Landei. Ein frivol-feministischer Film, der ganz ohne Klamauk auskommt.

Was für eine gelungene Kombination! Julie Delpy, die Französin mit dem Feengesicht, dessen Züge sich nie so recht entscheiden zu können scheinen zwischen Sonnenschein-Lachen und Weltschmerz-Traurigkeit. Und Dany Boon, der Komödiant mit den Segelohren. Gesucht und gefunden. In „Lolo – Drei ist einer zu viel“ mischen sich Delpys Hang zu Feminismus, frivolen Sprüchen, Weltverbesserungsphilosophie und Boons Gespür für Situationskomik und den Einsatz von Grimassen zu einer amüsanten Liebeskomödie, die vor allem der weiblichen Zuschauerin so manches Mal einen Spiegel vorhält.

Denn Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Delpy weiß ja, wie die Frauen ihrer Generation so ticken. Sie spielt Violette; alleinerziehend, vielbeschäftigt, irgendwo um die 40. Selbstständig, klar. Und doch auf der Suche nach dem fürsorglichen Partner, sowieso. Wie üblich in Filmen mit und von Delpy geht es um ungeliebte Macken und das Ringen, mit ihnen leben zu lernen. Mit den eigenen und denen der Mitmenschen. Der Haken: Es wird nicht leichter.

Violette stolpert von einer Beziehung in die nächste

Delpys Violette steht beispielhaft für die moderne westliche Frau, die sich angesichts der beruflichen und privaten Möglichkeiten nie lange binden konnte, deshalb von einer Beziehung in die nächste stolperte und ihr eigenständiges Leben auf ihre eigene Art eingerichtet hat. Die Spezies Mann in diesen Lebensraum einzugliedern – gar nicht so einfach. Man wird ja immer kauziger. Und warum sich ewig binden, wenn frau die große Liebe doch schon längst gefunden hat? Im zuckersüßen Sohnemann Lolo (Vincent Lacoste). Der 22-jährige Franzose – auch er eine Idealbesetzung. Ein Satansbraten mit Engelszügen. Schmalschultrig, feines Gesicht, Wuschelkopf, Knopfaugen – ach, Mamis Liebling, der würde doch nie...

Er würde doch. Herrlich, wie er mit hintersinnigem Lächeln versucht, Mutters neuen Partner René (Dany Boon) wieder loszuwerden. Denn es war doch so bequem, sich, wann immer man mochte, bei Mutti einzuquartieren und wie ein Riesenbaby umsorgen zu lassen. Zugegeben, die Gemeinheiten, die sich der Spross für René ausdenkt, sind mitunter kaum auszuhalten. Boon gibt wieder einmal das liebenswerte Landei, das aus lauter Gutmütigkeit lange nicht merkt, wer ihm da übel mitspielt. Klamaukig wird’s dank Delpys Hang zum Nachdenklichen trotzdem nicht. Die beiden zusammen – das funktioniert.

„Lolo – Drei ist einer zu viel“

mit Dany Boon, Julie Delpy

Regie: Julie Delpy

Laufzeit: 100 Minuten

Sehenswert

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