Gosling, Pitt und Bale erklären die Finanzwelt

„The Big Short“: Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Christian Bale als Michael Burry in "The Big Short".

München - Der neue Kinofilm „The Big Short“ zeigt den ganzen Irrsinn der Finanzwelt. Zwischen Dokumentarfilm und "Sendung mit der Maus" ist eine irrwitzige Komödie entstanden.

So, wie erklärt man jetzt bitteschön die irrsinnige Finanzkrise, die 2007 begann? Die einen versuchen es mit Dokumentarfilmen, die anderen mit schlauen Büchern. Regisseur Adam McKay macht’s wie es einer, der irrwitzige Komödien wie „Anchorman“ geschaffen hat, eben macht: Eine Blondine in die Badewanne legen und mit einfachen Worten beschreiben lassen, was so komische Dinge wie hypothekengesicherte Wertpapiere sind. Schon der Name klingt doch völlig langweilig. Unsexy. Und weil die Aufmerksamkeitsspanne des modernen Menschen immer kleiner wird, helfen zur Aufrechterhaltung des Interesses eben nur: Sex, schillernde Farben und derber Humor. McKay bietet alles.

Da muss schon mal ein junges Haserl aus der Wanne heraus dozieren. Klingt platt? Ist alles andere als das. Machen wir uns nichts vor: So richtig zu verstehen ist der ganze Wahnsinn gar nicht. Noch viel schlimmer: Die Wenigsten, die mitmachen bei dem Spiel, das sich Finanzmarkt nennt, kennen die Regeln; denn sie wissen nicht, was sie tun...

McKay hält uns gnadenlos den Spiegel vor. Er lässt es seine Stimme aus dem Off klar aussprechen: „Die Wahrheit ist wie Poesie. Und die Mehrheit der Menschen hasst Poesie.“ Weil ein Hinterfragen des ertragreichen Systems unschöne Gewissensbisse erzeugen würde. McKay zwingt uns, der Wahrheit doch einmal ins Auge zu sehen. „The Big Short“ verbindet Dokumentarfilmelemente mit Komödie, Drama, Thriller und Action, wobei die herausragenden Schauspieler immer wieder die „vierte Wand“ durchbrechen. Eine Mischung aus Michael Moore und „The Wolf of Wall Street“, die schneller erzählt wird als der Dax fallen kann.

Es ist ein bisschen wie „Die Sendung mit der Maus“ für Erwachsene. Anhand der Geschichte von real existierenden Finanzmarktjongleuren bekommen wir das, was zum großen Crash geführt hat, erklärt. Im Jahr 2005 deutet noch nichts auf einen Zusammenbruch des Wirtschaftssystems hin. Alle Welt investiert in das, was sicher scheint: Immobilien gehen doch immer. Theoretisch. Sogar Arbeitslose werden in diesem scheinbar gesunden Spekulationskreislauf zu Villenbesitzern.

Der Hedgefonds-Manager Dr. Michael Burry (hervorragend: Christian Bale) erkennt als einer der Ersten, dass diese Superblase irgendwann platzen muss. Bale spielt das Mathe-Ass als Eigenbrötler mit Hang zum Autismus, der sich von Rockmusik dauerbeschallen lässt, seine Anspannung aufs  Schlagzeug niederdrischt, um dem Börsen-Chaos zu entfliehen. Er setzt alles auf eine Karte – und überzeugt Goldman Sachs, ihm eine Risikoprämie auszuschütten, falls er mit seiner Behauptung richtig liegt, dass die Krise kommt. Eine Wette gegen das System.

Ein paar Trittbrettfahrer (die Darsteller-Riege reicht von Steve Carrell bis Brad Pitt) schließen sich seinem Beispiel an. Wir schauen ihnen dabei zu, tauchen ein in eine krude Welt, in der „Fuck Responsibility“ zum Schutzschild wird; lernen jede Menge Anlagemethoden kennen, die so abstrus sind, dass man die Erfinder schon wieder bewundern muss; und verlassen das Kino – bestens unterhalten – mit der traurigen Erkenntnis, dass wir die Krise nun vielleicht verstehen, die nächste aber kaum zu verhindern ist.

„The Big Short“

mit Christian Bale, Ryan Gosling, Brad Pitt, Steve Carell

Regie: Adam McKay

Laufzeit: 131 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ mochten.

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