Katzen in der Karibik

"Robinson Crusoe": Etwas mehr Handlung hätte nicht geschadet

„Robinson Crusoe“ bleibt trotz toller Synchronsprecher und liebevoller Animation recht eindimensional und hätte eine breitere Handlung gut vertragen. Dennoch sehenswert für alt und jung.

Dass Matthias Schweighöfers Stimme sich gut macht in liebevoll gestalteten Animationsfilmen, hat unlängst bereits „Der kleine Prinz“ bewiesen – dort sprach der Schauspieler die weisen Worte des Fuchses. Nun ist er als Robinson in einer Crusoe-Interpretation des belgischen Produzenten und 3D-Pioniers Ben Stassen zu hören. Dass Schweighöfer damit zwar die Titel-, nicht aber die Hauptrolle besetzt, liegt an der Verschiebung des Blickwinkels durch Stassen und seinen Regisseur Vincent Kesteloot: Die beiden haben den Papagei Dienstag (gesprochen von Kaya Yanar), auf dessen Insel der Schiffbrüchige strandet, zum Erzähler der Geschichte gemacht.

Etwas mehr Handlung hätte nicht geschadet

Dienstag und einige befreundete Tiere nehmen Robinson rasch in ihrem Zuhause auf. Ein Rudel wilder Katzen, das sich ebenfalls vom Schiff retten konnte, übernimmt dafür die Rollen der Angreifer, die die neu zusammengesetzte Inselbevölkerung bedrohen. Zugegeben, es gehört schon ein wenig Mut dazu, in Zeiten, da das Internet die Katze quasi zur Gottheit erhoben hat, ausgerechnet eine Katzenfamilie zu niederträchtigen Monstern zu stilisieren. Leider bleiben jedoch alle Figuren recht eindimensional: Robinson und seine Freunde leben in glücklicher Eintracht miteinander im Karibik-Paradies, die Katzen sind nichts als böse und gemein.

Ansätze zu Meinungsverschiedenheiten und etwas Abwechslung bieten zwar der skeptische Eisvogel Kiki auf der einen und der mutlose Kater Pong auf der anderen Seite. Doch diese Vorstöße, die sich zu interessanteren Handlungssträngen hätten entwickeln können, werden im Keim erstickt. Das ist schade, denn die turbulenten Verfolgungsjagden in 3D, die fein ausgewählten Synchronsprecher (auch in den Nebenrollen: Dieter Hallervorden als Ziege Zottel, Cindy aus Marzahn als Tapirdame Rosie) und der gutmütige Humor ergeben einen soliden, unterhaltsamen Film. Ein Dreh mehr hätte der Handlung aber nicht geschadet.

„Robinson Crusoe“

Regie: Vincent Kesteloot

Laufzeit: 90 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen und Ihren Kindern gefallen, wenn Sie „Arlo und Spot“ mochten.

Johanna Popp

Rubriklistenbild: © Studiocanal/dpa

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