Ironischer Empfang für Hitler

Film der Woche: "Er ist wieder da" 

David Wnendt hat sehr klug Timur Vermes’ schwache Satire „Er ist wieder da“ für die Leinwand adaptiert. Der Streifen ist trotz flacher Wortspiele unser Film der Woche. 

Mit seiner Hitler-Satire „Er ist wieder da“ eroberte der Journalist Timur Vermes im Frühjahr 2013 die Bestsellerlisten im Sturm. Da sich die meisten Wortspiele des Werks ungefähr auf dem Niveau des vorherigen Satzes befinden, dürfte der enorme Erfolg kaum an der literarischen Qualität von Vermes’ Buch gelegen haben, sondern eher an der ungewöhnlichen Hitler-Fixierung, die sich in Deutschland seit Jahren schon bemerken lässt. Und sicherlich auch am zweifellos grafisch genial gestalteten Cover des Romans: Jenes maximal stilisierte Titelbild, auf dem nur der schwarze Seitenscheitel und der Titelschriftzug in Form des charakteristischen Bärtchens prangen. Vermes’ Geschichte ist längst nicht so amüsant und intelligent wie angepriesen. Dass die gebundene Ausgabe für 19,33 Euro zu haben war, kann noch als einer der besseren Gags gelten.

Vermutlich hat auch Filmemacher David Wnendt („Kriegerin“), momentan zweifellos einer der interessantesten deutschen Regisseure, das geringe Potenzial des Romans bemerkt. Hitler wacht im Berlin der Gegenwart auf, an der Stelle des ehemaligen Führerbunkers nahe des Brandenburger Tors. Nach erster Verwirrung und dem Befremden über gegenwärtige Sitten und Gebräuche findet der „Gröfaz“ bald wieder zu alter Form, umringt von Gesinnungsgenossen von einst und heute – und von den Medien. Die meinen es anfangs noch ironisch und versuchen, dem dampfplaudernden Wiedergänger mit erklärenden Kommentaren zu begegnen. Doch das Schwert des aufklärenden Wortes wird angesichts der altbekannten Methoden Hitlers schnell stumpf: Der Untote spielt sich wie 1933 als Anwalt der kleinen Leute auf, geifert jetzt eben nicht mehr gegen die Juden, sondern gegen Lebensmittelskandale und Umweltverschmutzung, schwadroniert aber auch wieder vom gesunden Volkskörper und den Arbeitslagern. Sehr klug arbeitet Wnendt aus dem im Hitler-Duktus gehaltenen Vermes-Text das eigentliche Zentrum seines Films heraus. Der jedes Wort tödlich ernst meinende Hitler trifft auf eine alles und jeden ironisierende Gesellschaft, die hinter einer Frechheit die Persiflage und hinter einer Grenzüberschreitung die Satire vermutet. Natürlich bleibt auch den postmodern-coolen Figuren in Buch und Film manches Wort des Zurückgekehrten im Halse stecken – doch niemand zeigt sich empört, jeder sucht nach der ironischen Brechung des Gesagten.

Die so dringend notwendige Vielschichtigkeit, die dem Roman oftmals fehlt, erreicht Wnendt durch seine dokumentarischen Einschübe. Die sind das eigentliche Salz in dieser Nazi-Suppe. In ihnen zeigt sich die unverstellte und dadurch umso erschreckendere Reaktion der heutigen Deutschen auf Hitler. Auf die alles banalisierenden Spielszenen hätte man einfach verzichten sollen.

„Er ist wieder da“

Mit Oliver Masucci, Fabian Busch, Christoph Maria Herbst

Regie: David Wnendt 

Laufzeit: 110 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Schtonk“ oder „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ mochten.

Rubriklistenbild: © 2015 Constantin Film Verleih GmbH/dpa

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