Ein bisschen gewöhnlich

Das Hotte-Moment

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Christoph Maria Herbst spielt die Rolle des Bewährungshelfers Benno. 

Markus Sehrs Posse „Die Kleinen und die Bösen“ lebt vom Zusammenprall unterschiedlichster Charaktere. Doch ohne Hauptcharackter "Hotte" wäre der Film sinnlos. 

Ein verhinderter Spießer und ein Fieser. Wobei: Fies sind in dieser Komödie durchaus auch andere. Dennoch hat sich der deutsche Regisseur Markus Sehr mit seinem Zweierteam aus Normalo und Verbrecher eine ebenso altbewährte wie verheißungsvolle Grundlage für ein Lustspiel geschaffen. Ein klassischer Buddy-Film ist „Die Kleinen und die Bösen“ allerdings nicht geworden. Dafür verbringen die beiden unterschiedlichen Protagonisten einfach zu wenig Zeit miteinander. Christoph Maria Herbst wurde äußerst passend in die Rolle des eher gewöhnlichen Bewährungshelfers Benno gesteckt, der im Lauf der Handlung ausbrechen darf und dies nicht zuletzt seinen Klienten zu verdanken hat. Den schauspielerischen Traumjob aber hat der Kollege Peter Kurth erwischt: Sein Hotte, Bennos schlimmster Schützling, ist ein Charakter, wie ihn die Komödie liebt. Er ist kriminell und brutal, schert sich weder um seine Kinder noch um seine Kleidung (Hawaiihemd) und bedient auch sonst sämtliche Erwartungen an eine politisch-unkorrekte, aber doch irgendwie liebenswerte Figur.

Im Grunde ganz gewöhnlich

Warum gerade dieser Hotte das Herzstück des Films bildet, ja bilden muss, ist eine Frage, die man sich durchaus stellen sollte. Ohne ihn käme die Handlung nicht ins Laufen, ohne Hotte wäre auch die Figur des Benno – und sämtliche anderen – hinfällig. Es ist genau dieses Hotte-Moment, die Entdeckung des Menschlichen im vermeintlich Unmenschlichen, das den Charme der ganzen Posse ausmacht. Im Grund erzählt Markus Sehr nämlich eine ganz gewöhnliche Chaos-Komödie, in der die unterschiedlichsten Menschen aufeinanderprallen, sich zahlreiche Verwicklungen ereignen, geliebt wird und gehasst und darüber hinaus jede Menge Murks geschieht. Das macht freilich Spaß. Wirklich groß wird die Gaunerposse aber nur dann, wenn die Figuren insgeheim Widerstand leisten – gegen verlogene Moralvorstellungen, gegen ein auf biologistischen Mythen aufgebautes Familienbild, gegen den drögen Alltag.

„Die Kleinen und die Bösen“

Mit Peter Kurth, Christoph Maria Herbst

Regie: Markus Sehr 

Laufzeit: 91 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie aufmüpfiges Boulevardtheater mögen.

Von Katrin Hildebrand

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