Eine wahre Geschichte 

„Life“: Das Leben des James Dean

In „Life“ porträtiert Anton Corbijn die Freundschaft zwischen Dennis Stock und James Dean, bevor der ein Star wurde. Sowohl Robert Pattinson als auch Dane DeHaan überzeugen grandios. 

Hätte Donald Turnupseed am Abend des 30. September 1955 besser im Straßenverkehr aufgepasst, sähe die Filmgeschichte heute anders aus. Wie viele Filme James Dean wohl noch gedreht hätte? Wie viele Oscars errungen? Doch Turnupseed nahm dem Schauspieler die Vorfahrt, und der kam vor 60 Jahren in seinem Porsche ums Leben. Gerade drei Hauptrollen hatte der Jungstar bis dahin gespielt, die Begeisterung über Deans Filme war groß, doch erst sein Tod ließ den 24-Jährigen zur Popikone werden.

Der Niederländer Anton Corbijn hat sich bereits in seinem Spielfilmdebüt „Control“ sehr behutsam und eindringlich einer Künstlervita genähert, jener des Sängers Ian Curtis der Band Joy Division. In „Life“ geht es jetzt um einen jungen Fotografen und einen etwa gleichaltrigen Schauspieler, beide am Beginn ihrer Karriere, und für beide wird diese Begegnung entscheidend sein. Denn Dennis Stock, bei der Foto-Agentur Magnum beschäftigt, hat den richtigen Riecher: Der Typ mit den verwuschelten Haaren, den er auf einer Party kennenlernt, ist ein großes Talent, das wittert der erfolgshungrige Stock. Der leicht somnambul wirkende Bauernjunge Dean lässt sich überreden, dass der Fotograf ihn etwa beim Friseur und beim Spaziergang über den Times Square ablichten darf. Stocks längst legendäre Aufnahmen zeigen James Dean in den letzten Momenten vor dem großen Knall, vor der Idol-Werdung. „Jenseits von Eden“ feiert kurz darauf Premiere, die Rolle in „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ hat der junge Mann in der Tasche. Es sind die unschuldigen Minuten vor dem Startschuss ins Starleben, die Corbijn zeigt – heute immer gedämpft durch das Wissen, dass Dean sechs Monate später tot sein wird.

Überzeugende und grandiose Leistung

Natürlich sieht auch dieser vierte Spielfilm des Fotografen Corbijn großartig aus. In präzise gesetzten Einstellungen fängt er den Look der Fünfzigerjahre ein, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Die jazzige Filmmusik passt perfekt zu dieser unprätentiösen Eleganz, die Corbijn mit scheinbarer Leichtigkeit entstehen lässt. Stock und Dean umkreisen sich anfangs wie Katz und Maus. Es dauert, ehe der oft blasiert wirkende Jungstar und der von vielen Nöten getriebene Fotoreporter (Robert Pattinson streift mit dieser Rolle souverän den Vampir Edward aus der „Twilight“-Saga ab) Vertrauen zueinander fassen. In Indiana, bei Deans Familie auf der Farm, entstehen fantastische Fotos. Gleichzeitig drückt Stock aber auch ohne Zögern in jenen Momenten auf den Auslöser, in denen Dean ungewollt einen Blick in sein Inneres zulässt.

Dane DeHaan überzeugt als James Dean – nicht nur wegen seines Aussehens. Er umgibt seine Figur mit einer Aura der Unberührbarkeit. Nichts scheint Dean etwas anhaben zu können, weder die dummen Fragen der Journalisten noch die nervigen Bitten seines Agenten und schon gar nicht die strikten Regeln von Studioboss Jack Warner (Ben Kingsley). Nur selten blitzt hinter dieser Fassade eine sensible Seele hervor. 

„Life“

Mit Robert Pattinson, Dane DeHaan, Ben Kingsley 

Regie: Anton Corbijn 

Laufzeit: 111 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Control“ mochten.

Rubriklistenbild: © Universum Film/dpa

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