"American Sniper"

Bradley Cooper als "American Sniper"

US-Navy-SEAL und Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) wird mit nur einem Auftrag in den Irak geschickt: Er soll seine Kameraden beschützen.

Das Budget von Clint Eastwoods neuem Spielfilm „American Sniper“ fiel mit 60 Millionen US-Dollar eher bescheiden aus. Dass die Produktion in den USA mittlerweile aber sogar kalkulierte Blockbuster-Erfolge wie „Guardians of the Galaxy“ oder „Die Tribute von Panem“ auf die Plätze verwies und bisher über 249 Millionen US-Dollar einspielte, liegt am Thema des Films. Der 84-jährige Eastwood erzählt in seiner bislang kommerziell erfolgreichsten Arbeit eine wahre Geschichte, die des 2013 getöteten Navy-Seals-Scharfschützen Chris Kyle.

Vom Vater lernt der aus Texas stammende Kyle schon als Bub neben den obligatorischen Schießübungen, dass es drei Menschentypen gibt: die Schafe, die Wölfe und die Hütehunde. Die Schafe sind die naiven Menschen, die ihre Augen vor dem Bösen verschließen. Die Wölfe sind diese Bösen. Und die Hütehunde erkennen Gut und Böse, wollen das eine vernichten und das andere bewahren. Zu jener Gruppe zählt Vater Kyle sich selbst und trainiert auch seine Söhne Chris und Jeff darin, Schwächere zu schützen. Trotzdem verdingen sich die Brüder nach der Schule erst einmal als Rodeoreiter. Doch die Anschläge auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi im Jahr 1998 ändern die Richtung ihrer Lebenswege: Chris und Jeff melden sich freiwillig zum Militär.

Chris, in „American Sniper“ von Bradley Cooper mit beachtlichem Körpereinsatz gespielt, lässt sich bei den Navy Seals zum Scharfschützen ausbilden und wird nach dem 11. September 2001 in den Irak geschickt.

Tempo kommt in diese bis dahin recht typisch amerikanische und lahm erzählte Vita erst durch die Kriegseinsätze in allen Regionen, in denen die US-Armeen bis heute im Einsatz sind. Mit 160 verbrieften Todesschüssen ist Chris Kyle der erfolgreichste Schütze des US-Militärs. „Legende“ nennen ihn seine Kameraden schon zu Lebzeiten. Die 2012 veröffentlichte Autobiografie des Soldaten wurde zum Bestseller in den USA, Kyle zum nationalen Helden. Leider behandelt ihn auch Eastwood als solchen. Es gibt in seinem Film Momente, in denen eine andere Deutungsmöglichkeit als die knieend-heroische aufblitzt: etwa beim Jagdausflug mit dem Vater, beim Grillen mit Nachbarn, oder wenn Heimkehrer Kyle bewegungslos vor dem stummen Fernseher sitzt.

Aber Clint Eastwood stellt keine Fragen, dringt nie ins Innenleben seines Charakters ein. Daher bleibt „American Sniper“ trotz vielfältiger Möglichkeiten überraschend platt, erreicht nie die Tiefenschärfe eines „Deer Hunter“ oder „Hurt Locker“. Der bekennende Konservative Eastwood zeigt Kyle zwar in Momentaufnahmen als gequälte Figur – und überhöht ihn dadurch nur noch mehr.

Grundsätzlich liegen Eastwood die schnörkellosen, spannend inszenierten Actionszenen mehr als jene stillen Augenblicke der Besinnung inmitten des Bombardements. Die geraten ihm hier wieder einmal zum reinen Klischee. „American Sniper“ lässt verschiedene Deutungen zu, bleibt oft vage, vieles wird nicht ausgesprochen. Gerade das macht den Film trotz seiner exzellenten Kameraarbeit oft schwer erträglich. Über die Gründe für den Einmarsch in den Irak, über Folter und Massenvernichtungswaffen wird konsequent geschwiegen. So konsequent, wie Chris Kyle sein Leben lang nie an der Sinnhaftigkeit seines Berufs gezweifelt hat.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Courtesy of Warner Bros. Pictures/dpa

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