Kinostart "Der Ghostwriter" - Ewan McGregor im Interview

Ewan McGregor (38) ist einer der Topstars, die in Roman Polanskis "Der Ghostwriter" ab Donnerstag im Kino zu sehen sind. Im Interview spricht er über den Regisseur.

Er spielt einen namenlosen Autor, der das Leben des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) aufhübschen soll. Natürlich wollten wir wissen, wie es dem Star-Regisseur Polanski geht. Wegen eines internationalen Haftbefehls sitzt er seit Monaten in der Schweiz fest und kämpft gegen seine Auslieferung in die USA. Ihm wird vorgeworfen, 1978 in den Vereinigten Staaten eine 13-Jährige vergewaltigt zu haben. Hier unser Interview mit Ewan McGregor, der einst mit Trainspotting zum Star wurde und u. a. in Moulin Rouge, Star Wars Episode I oder Illuminati mitwirkte.

Ewan McGregor: Nein. Wenn man unbedingt Memoiren von sich lesen möchte, sollte man sie auch selbst schreiben. Aber meinen Filmcharakter fand ich trotzdem sympathisch: Dieser Typ wird von allen unterschätzt, dabei zeigt er sich unbeeindruckt von allem, was ihm an seltsamen Situationen passiert. Schon die Buchvorlage von Robert Harris besitzt einen gewissen Humor. Aber es liegt natürlich auch am Regisseur. Roman Polanski ist ein sehr humorvoller, lustiger Mensch.

Es gab ja Probleme mit dem Wetter …

McGregor: Ja, und es spricht schon sehr für Polanski, dass er nie die Nerven verlor. Die Geschichte ist angesiedelt in einem sturmumtosten Sommerhaus direkt am Strand. Die Atmosphäre sollte düster, grau, unwirtlich und regnerisch sein. Doch das Wetter auf Sylt und Usedom war viel zu gut. Es vergingen viele Tage mit Warten auf den Regen, und das kostet eine Menge Geld.

Wie ist Polanski am Set?

McGregor: Es ist schon faszinierend, jemanden zu beobachten, der einerseits so konzentriert arbeitet und alles um sich herum genau wahrnimmt, andererseits aber auch so viel Schwung vermittelt. Er war wohl schon immer so. Für Polanski ist alles gleich wichtig am Set. Die Vasen und die Wände im Hintergrund, die Beleuchtung, die Akteure. Diese Genauigkeit überträgt sich auf unser Spiel. Er ist sehr pingelig. Man lernt dadurch, ganz exakt zu sein. Dementsprechend lang waren manchmal unsere Drehtage.

War es für Sie ein Traum, einmal in einem Roman-Polanski-Film mitzuspielen?

McGregor: Nein. Ich habe überhaupt nie daran gedacht. Deshalb war ich sehr überrascht, als er mir das Drehbuch zuschickte, und als es konkret wurde, war ich natürlich sehr aufgeregt. Aber nicht nur ­wegen Polanski. Das Wichtigste ist bei jedem Film das Skript, finde ich. Das gab auch hier den Ausschlag.

Bestseller-Autor Robert Harris hat sich hier die Gegenwart vorgeknöpft: den britischen Ex-Premier Tony Blair …

McGregor: Stimmt, aber mit dem politischen Gehalt des Romans habe ich mich während des Drehs nicht sehr beschäftigt. Es ist eine Geschichte über Politik und Politiker und die Verwicklung eines britischen Premiers in den Irakkrieg. Aber es stand für mich in dieser Phase nicht im Vordergrund. Da hatte ich mehr damit zu tun, die Geschichte aus der Sicht meiner Figur zu sehen. Das ist kein politisch interessierter Mensch. Er arbeitet einfach einen Auftrag nach dem anderen ab und gerät erst ganz allmählich in den Sog dieser Intrigen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie die Realität in den letzten Tagen immer stärker unserem Film ähnelt.

Eine ungewollte Parallele des Films ist jene zwischen dem Eingekerkertsein Langs in seinem bunkerartigen Ferienhaus am Strand zu Polanskis derzeitigem Aufenthaltsort in einem anderen Ferienhaus in den Schweizer Bergen.

McGregor: Es ist seltsam, wenn ein Film im Rahmen der Berlinale Premiere feiert, aber die Hauptperson, der Regisseur, andernorts sein muss. Das ist eine ungute Situation. Wir haben von Berlin aus schon mehrfach mit ihm telefoniert, um ihm zu erzählen, wie die Vorführungen und die Pressekonferenz abgelaufen sind. Er ist sehr gefasst.

Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.