R.E.D.: Rentner im Ruhestand

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Das sind Frank (Bruce Willis, li.) und seine schussgewaltigen Spießgesellen: Helen Mirren als Victoria und John Malkovich als Marvin, die alle einst beim Geheimdienst unter Vertrag standen.

Auf Action mit Augenzwinkern dürfen sich Kinogänger bei diesem Film freuen: Der Stuttgarter Regisseur Robert Schwentke verfilmte in den USA die Comic-Vorlage „R.E.D.“.

Einst war Frank ein knallharter Top-Agent der CIA. Jetzt sieht er zwar immer noch aus wie Bruce Willis, muss aber als unfreiwilliger Frührentner ein unauffälliges, stinklangweiliges Kleinstadt-Leben fristen. Einsame Höhepunkte sind die Telefonflirts mit Sarah (wunderbar witzig: Mary-Louise Parker), seiner Sachbearbeiterin von der Rentenkasse. Doch seine Reflexe funktionieren noch: Als ein schwer bewaffneter Trupp Vermummter ihn eines Nachts töten will, macht er die Killer kurzerhand kalt, schnappt sich Sarah und trommelt seine alte, schlagkräftige Truppe wieder zusammen. Mit Joe (Morgan Freeman), Marvin (John Malkovich) und Victoria (Helen Mirren) kommt er einer gigantischen Verschwörung auf die Spur, die… – ach was, egal! Die Handlung ist ohnehin völlig unrealistisch und völlig wurscht. Hier geht es einzig und allein darum, Spaß zu haben – mit einer rüstigen Rentnergang im Unruhestand. Keine Grauen Panther, sondern rote Teufel: Frank und seine schussgewaltigen Spießgesellen bieten geballte Pensionisten-Power.

„R.E.D.“ steht für „retired extremely dangerous“, auf Deutsch „verrentet und extrem gefährlich“. Die alten Säcke beweisen den jungen Schnöseln, dass sie nach wie vor jedem Fiesling ordentlich in den Hintern treten können – vorausgesetzt natürlich, die knackenden Knie-Knochen machen noch mit.

Action mit Augenzwinkern serviert der gebürtige Stuttgarter Robert Schwentke („Flightplan“) in seiner Verfilmung der gleichnamigen Comicbuch-Serie. Schade nur, dass er die Kampfszenen recht einfallslos inszeniert hat. Wie es origineller geht, zeigt sein Namensvetter Robert Rodriguez mit „Machete“, der in drei Wochen anläuft.

Doch die grandiose Besetzung pulverisiert mühelos jeden Einwand. Bruce Willis tut hier genau das, was wir von ihm erwarten: Er macht in coolen Stunts eine gute Figur und hat dabei immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. Die anderen sind im Grunde nur schmückendes Beiwerk – insbesondere Morgan Freeman wird leider ziemlich verheizt. John Malkovich sorgt als paranoider, kindsköpfiger Killer immerhin für ein paar herrlich komische Momente. Und Charaktermimin Helen Mirren („Die Queen“), diesmal auf ganz und gar unköniglichen Pfaden, ist als scharfe Scharfschützin eine echte Schau: In cremefarbener Abendrobe hantiert sie so virtuos mit dem Maschinengewehr, als hätte sie schon als kleines Mädchen damit gespielt.

Die größte Überraschung bietet allerdings Ernest Borgnine („Verdammt in alle Ewigkeit“) als pfiffiger CIA-Archivar: Der 93-jährige (!) Hollywood-Haudegen wirkt geistig und körperlich fit wie ein Turnschuh. Vor 54 Jahren hat er für „Marty“ den Oscar gewonnen – zwei Tage nach Bruce Willis’ erstem Geburtstag. Wenn unser Bruce auch so lange durchhält, können wir uns noch auf viele tolle Auftritte freuen.

Marco Schmidt

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