Fröhliche Schnitzeljagd mit Sherlock Holmes

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Charisma und Können: Robert Downey Jr. (hinten) – hier mit Jude Law als Watson – lenkt als Sherlock Holmes vom hohlen Filmspektakel ab.

Mit „Sherlock Holmes“ versucht Regisseur Guy Ritchie sich als launiger Geschichtenerzähler neu zu erfinden. Ob er damit Erfolg hat und wie sich Robert Downey Jr. als Detektiv macht, lesen Sie in unserer Filmkritik.

Die Frage, ob man eine gediegene britische Romanfigur zum Helden eines Hollywood-Actionfilms ummodeln darf, ist müßig. Alles, was Profit abwirft, wird auch gemacht, egal, wie unvernünftig es sein mag. Deswegen gibt es den Finanzmarkt, Atomkraftwerke und eben Filme wie „Sherlock Holmes“. Mit einem Tempo, das einem keine Zeit lässt, über den Sinn des Gezeigten nachzudenken, schleift Regisseur Guy Ritchie den Zuschauer durch ein funkelndes Abenteuerepos, das, vom technischen Blendwerk abgesehen, viel altmodischer ist, als es tut, was ja nichts Schlechtes sein muss. Ritchie, der zu Beginn seiner Karriere zum europäischen Tarantino ausgerufen worden war, eiferte diesem im Absondern von belanglosem Karnevalskino nach und lief zwangsläufig kreativ auf Grund.

Mit „Sherlock Holmes“ versucht er, sich als launiger Geschichtenerzähler neu zu erfinden, und hat damit auch Erfolg, sofern man die Maßstäbe des US-Unterhaltungskinos anlegt. Wenig überraschend hebt sich dieser „Holmes“ radikal von den distinguierten Verfilmungen früherer Tage ab. Der Mann ist ein eher zwielichtiger Charakter, der auch gerne mal handgreiflich wird. Aber das entspricht den Buchvorlagen, in denen Holmes zum Zynismus und Drogenmissbrauch neigt. Ausgerechnet einen Edelmimen wie Robert Downey Jr. für diese Rolle zu besetzen, ist ein lustiger Einfall. Downey verleiht seinem Holmes zum einen spielerische Leichtigkeit, zum anderen aber diesem Film eine Mitte. Denn es handelt sich hier um eine ziellose, fröhliche Schnitzeljagd, der nach rasantem Start zwischendrin etwas die Luft ausgeht.

Wie fast alle Blockbuster derzeit ist der Film ein bisschen zu lang. Zugespitzt gesagt: Ohne Downey wäre das alles leicht als letztlich hohles Spektakel zu durchschauen. Das ist es auch mit Downey, aber man lässt es sich gefallen, weil er mit Charisma und Können davon ablenkt. Und er schafft es, den zuletzt oft desorientiert wirkenden Jude Law auf Spur zu bringen. Der hat als Dr. Watson einen schönen Part als das, was man in Hollywood Sidekick nennt. Er spielt Downey die Bälle zu und ergänzt sich gut mit ihm. Weil das Duo trotz des übermächtigen Konkurrenten „Avatar“ an den US-Kinokassen erfolgreich war, verwundert es nicht, dass eine Fortsetzung beschlossene Sache ist. Schon Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle hat das lernen müssen. Als er keine Lust mehr auf Holmes hatte, ließ er ihn sterben. Leser und Verleger bedrängten ihn danach so heftig, dass er weitere Holmes-Romane schrieb. Er hätte verstanden, weshalb man aus seinem Holmes einen Hollywood-Actionhelden gemacht hat.

Annehmbar: 3 Sterne

Von Zoran Gojic

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