"Larry Crowne": Alles ist möglich – wenn man sich traut

Forrest Gump trifft Erin Brockovich: Tom Hanks und Julia Roberts laufen in der verblüffenden Liebeskomödie „Larry Crowne“ zur Höchstform auf. Hier der Kinotrailer und die Filmkritik.

Yes, we can: Obamas Wahlspruch scheint der hoffnungslos optimistische Durchschnittstyp Larry Crowne (Tom Hanks) verinnerlicht zu haben. Als er von heute auf morgen seinen Job als Supermarkt-Filialleiter verliert und sich die Suche nach einer neuen Stelle als aussichtslos erweist, kann der geschiedene Biedermann die Raten für sein Haus nicht mehr bezahlen. Doch er lässt sich davon nicht unterkriegen, sondern sagt sich: Ja, wir können mit Mitte 50 noch mal völlig neu anfangen. So beschließt er, seinen College-Abschluss nachzuholen. An der Uni verliebt er sich in die attraktive Dozentin Mercedes (Julia Roberts), die allerdings gerade selbst in einer großen Lebenskrise steckt: Sie verachtet ihren Ehemann, sie hasst ihre Arbeit, und ihr neuer Student Larry geht ihr besonders auf den Senkel.

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Forrest Gump trifft Erin Brockovich: Man ahnt zwar schon während des Vorspanns, wie diese Geschichte ausgeht, doch sie ist sehr amüsant in Szene gesetzt. Die beiden Hauptdarsteller, seit „Der Krieg des Charlie Wilson“ dick befreundet, laufen hier noch einmal zur Höchstform auf: Tom Hanks entwickelt als treuherziges Stehaufmännchen herrlich linkischen Loser-Charme, und Julia Roberts gibt als frustrierte Zynikerin, die sich ihr Leben schön trinkt, dem Affen ordentlich Zucker – hinreißend!

Aber auch die Nebendarsteller sorgen für großen Spaß: etwa „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston als Mercedes’ nichtsnutziger Ehemann, der sich mehr für Internet-Pornos interessiert als für seine Gattin. Oder der Komiker Cedric The Entertainer in der Rolle von Larrys geschäftstüchtigem Nachbarn, der auf seinem Grundstück einen florierenden Flohmarkt betreibt. Oder Gugu Mbatha-Raw als temperamentvolle, freigeistige Studentin Talia, die dem verstaubten Larry ein komplett neues Outfit verpasst und ihn in ihre Motorroller-Gang aufnimmt.

Mit verblüffender Leichtigkeit behandelt Co-Autor und Regisseur Tom Hanks das Thema Finanzkrise, mit großer Liebe widmet er sich seinen Figuren, denen er wohltuend viel Zeit zur Entwicklung gibt und die er nie an billige Gags verrät. Nichts wird forciert oder überdramatisiert, alles entwickelt sich ganz natürlich, beinahe beiläufig, wie im richtigen Leben: Hanks verweigert sich konsequent jeder Hollywood-Dramaturgie und kommt völlig ohne Explosionen, Vampire und Fäkalwitze aus. So entwickelt seine auf den ersten Blick unspektakuläre romantische Wohlfühl-Komödie geradezu subversive Qualitäten, denn der brave, biedere Tom Hanks zeigt damit gestandenen Filmemachern, was alles geht, wenn man sich nur traut: Yes, we can!

Marco Schmidt

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