The Social Network: Herr von 500 Millionen Nutzern

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Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg.

"The Social Network" ist eine packende Studie von Regisseur David Ficher über die Erfolgsgeschichte von „Facebook“-Gründer Mark Zuckerberg.

Mark Zuckerberg ist ein arrogantes Freak. Ein Computer-Genie, hochintelligent, aber unerträglich überheblich. Ein selbstverliebter, skrupelloser Soziopath. Und ein zutiefst unsicherer, um Anerkennung buhlender Student. Das ist das Bild, das Regisseur David Fincher („Sieben“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“) in „The Social Network“ vom „Facebook“-Gründer Zuckerberg zeichnet.

Ein Bild, das ohne die vorzügliche Leistung von Jesse Eisenberg („Zombieland“) als Zuckerberg kaum so funktionieren würde. Er zaubert einen authentischen Nerd auf die Leinwand, dem man sowohl die Hochnäsigkeit als auch die Zerbrechlichkeit abnimmt. Mehr noch: Eisenberg schafft es, das Publikum auf Zuckerbergs Seite zu ziehen - was angesichts der ersten Szene schon eine Leistung ist, in der wir ihn als 19 Jahre alten Lockenkopf bei einem Streit mit seiner Freundin sehen. „Du wirst durchs Leben gehen und glauben, du hast Probleme, weil du ein Computer-Freak bist“, wirft sie ihm an den Kopf. „Aber das stimmt nicht. Es liegt daran, dass du ein Arschloch bist.“ Sie steht auf und geht. Er steht auf, setzt sich an seinen PC und stellt sie auf seinem Internet-Blog bloß.

Der große Facebook-Knigge

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Dass Zuckerberg nicht sonderlich sympathisch rüberkommen würde, war nicht anders zu erwarten. Auf dem Filmplakat dieses aktuellen Streifens heißt es, in Anspielung auf die Anzahl der Nutzer des weltweit größten Internet-Netzwerks: „Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen.“ Hinzu kommt, dass David Finchers erstaunlich packendes Porträt auf dem Buch „Milliardär per Zufall“ von Ben Mezrich basiert, das dieser zusammen mit dem ehemaligen Zuckerberg-Intimus und „Facebook“-Mitgründer Eduardo Saverin geschrieben haben soll – nachdem Saverin sich mit Zuckerberg überworfen hatte.

Die lustigsten Gruppen auf Facebook

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Um die Entstehung der Internet-Plattform ranken sich unzählige Mythen. Bis heute ist nicht ganz klar, ob Zuckerberg die Idee geklaut hat oder nicht. „The Social Network“ ist passenderweise als eine Art Gerichtsfilm angelegt. Fincher erzählt die Biografie des heute gerade mal 26 Jahre alten Außenseiters entlang von zwei Urheberrechtsverhandlungen, mit einigem Tempo zwar, aber in ruhigen Bildern. Zuckerberg soll seinen Partner Saverin (Andrew Garfield) und die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss betrogen haben. Letztere hatten Zuckerberg im Herbst 2003 beauftragt, ein interaktives, dem späteren „Facebook“ sehr ähnliches Netzwerk für die Universität Harvard zu programmieren. Doch der lieferte seine Arbeit nie ab, lancierte stattdessen „TheFacebook“ am 11. Januar 2004. In beiden Fällen wird Zuckerberg am Ende zahlen. Ein paar Millionen hier, ein paar Aktien dort – Peanuts für den jüngsten Neumilliardär der Welt. Und für den Kenner der Szene nichts Neues. Die Stärke von Finchers Film ist denn auch darin zu suchen, dass er sich eines endgültigen, klaren Urteils über eine faszinierende Person entzieht. Er gönnt allen Protagonisten ihre Perspektive, auch Zuckerberg. Der will sich zu dem Steifen übrigens nicht wirklich äußern, sagt nur: „Dieser Film ist Fiktion.“ Ist er das?

Thierry Backes

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