Kinotrailer und Filmkritik

"My Old Lady": Von der Bühne auf die Leinwand 

Mit „My Old Lady“ bringt Israel Horovitz sein international erfolgreiches Bühnenstück auf die Leinwand - voller Pointen und Lebensweisheit.

Mathias (Kevin Kline) ist pleite. Vollkommen. Da erscheint es ihm wie ein Segen, als er von seinem ihm beinahe fremden Vater ein riesiges Apartment in bester Lage in Paris erbt. Er will diese Luxuswohnung schnellstens verscherbeln und wieder heim nach New York. Doch in der beeindruckenden, aber sehr renovierungsbedürftigen Wohnung lebt eine alte Dame namens Mathilde (Maggie Smith). Und Mathias’ Vater hat ihr vertraglich ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert. Verärgert muss sich Mathias mit der alten Lady und deren schnippisch-schmallippiger Tochter Chloé (Kristin Scott Thomas) arrangieren. Zu seinem großen Bedauern macht die Greisin, die jeden Abend eine erlesene Flasche Rotwein entkorkt, absolut keinen kränklichen Eindruck.

Natürlich sind die Konflikte keine allzu großen in diesem Spielfilmdebüt von Israel Horovitz. Der 74-jährige US-Amerikaner hat mit „My Old Lady“ sein eigenes, international äußerst erfolgreiches Bühnenstück aus dem Jahr 2002 für die Leinwand adaptiert. Auch im Film setzt der Dramatiker zu Recht ganz auf die Kraft und Ausstrahlung seiner großartigen Charaktere. Dass die drei brillant aufspielen, überrascht kaum. Die Rollen dürften ihnen längst geläufig sein. Kristin Scott Thomas ist ein weiteres Mal die verhärmte Großstadtschönheit mit Geheimnis, Maggie Smith einmal mehr die für Bonmots zuständige Alte mit dem durchs Leben geschulten Überblick, und Kevin Kline gibt auch nicht zum ersten Mal den leicht chaotischen und alltagsuntauglichen Charmeur.

Horovitz’ Dialoge sind jederzeit fein austariert, voller Pointen und Lebensweisheit. Das große Geheimnis aber, das die Regie erst am Ende lüften will, hat man bis zum Finale bereits erraten. Denn leider ist die Inszenierung zu statisch, um das Offensichtliche zu übertünchen.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Ascot Elite Filmverleih

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