Gigantisch gute Darstellerriege

Film der Woche: "Best Exotic Marigold Hotel 2"

Trotz einiger Plattitüden wartet die Fortsetzung von „Best Exotic Marigold Hotel“ mit einer gigantisch guten Darstellerriege auf. Hier gibt's den Kinotrailer und die Filmkritik.

Ein Plädoyer für das Leben, egal in welchem Alter. Die meisten Fans und Kritiker liebten das „Best Exotic Marigold Hotel“, als es 2012 in die Kinos kam. Allein die Besetzung war beachtlich. Das Vereinigte Königreich schickte eine Riege hochklassiger Schauspieler ins Rennen, einige davon weit über 60, und setzte damit einen Kontrapunkt zu den ewig jungen Helden der „Blockbuster“. Endlich durften sich ältere Menschen verlieben, Sex haben, schwul werden, libidinös sein. Ein Privileg, das die bürgerliche Gesellschaft sonst allenfalls bis zur ersten Verlobung erlaubt – wenn überhaupt.

Bei all dem Rummel um die auf diesem Gebiet bahnbrechende Tragikomödie verhallten die negativen Stimmen damals fast ungehört. Einzelne Kritiker sahen nämlich postkoloniale Mechanismen am Werk. Westeuropäer würden sich vor exotischer indischer Kulisse amüsieren. Das Land als solches bleibe bloße Staffage, eine Projektionsfläche, so wie wir es aus Fernsehserien wie dem „Traumhotel“ oder „Traumschiff“ kennen. Kitsch für gehobene Ansprüche also. Beide Positionen haben ihre Berechtigung. Das gilt auch für die Fortsetzung „Best Exotic Marigold Hotel 2“, die im englischen Original „The Second Best Exotic Marigold Hotel“ heißt, was das zweitbeste Exotic Marigold Hotel bedeutet.

Auch hier wirbelt mit den Grandes Dames Maggie Smith und Judi Dench, dem wunderbar verschroben agierenden Bill Nighy, Celia Imrie, Penelope Wilton und Ronald Pickup dieselbe hochkarätige Schauspielerriege durchs Bild. Ergänzt wird sie diesmal durch Richard Gere, der sein Image als Schönling vom Dienst bespöttelt. Freilich sind das alles Westeuropäer oder US-Amerikaner, die ihre Altersnöte und Sorgen fernab der Heimat, in einem vermeintlich exotischen Land ausleben. Indien bildet abermals eine opulente und in manchen Momenten sicher klischeehafte Kulisse. Dennoch dominieren nicht nur die „Zugroasten“.

Schließlich ist Hotelchef Sonny (ganz herrlich: Dev Patel) neben der von Maggie Smith verkörperten Co-Hotelmanagerin Muriel die eigentliche Hauptfigur. Er will im zweiten Teil nun ein weiteres Hotel eröffnen und endlich seine Verlobte Sunaina (Tina Desai) heiraten – freilich nicht ohne Komplikationen. In der Darstellung Sonnys kommt das Für und Wider des Films am besten zum Ausdruck. Sonny ist witzig, zum Anbeißen liebenswert, hat Ecken und Kanten. Auf der anderen Seite jedoch gerät er in einigen Momenten zur Karikatur des verrückten Inders. Diese Karikatur scheint die Komödie als Ausgleich zu den Sentimentalitäten der anderen Figuren zu brauchen.

An Gefühlsduselei und der ein oder anderen Plattitüde mangelt es nämlich nicht. Und das ist der eigentliche Vorwurf, den man dem Team um Regisseur John Madden diesmal machen muss. Einige Geschichten wirken bemüht, andere streifen ganz nah am Kitsch entlang, und vielfach ahnt der Zuschauer schon in den ersten Zügen, welche Wendungen das Drehbuch nehmen wird.

Das ändert jedoch nichts am lebensbejahenden Grundton des Films und der gigantisch guten Darstellerriege. Und die muss dieses Mal für so manches entschädigen.

Von Karin Hildebrand

„Best Exotic Marigold Hotel 2“

mit Maggie Smith, Judy Dench, Dev Patel, Richard Gere

Regie: John Madden

Laufzeit: 122 Minuten

Rubriklistenbild: © AFP

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