Horrorszenario statt Denkanstoß

„London has fallen“: Am Ende gewinnt Hollywood

Gerard Butler
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Gerard Butler als Mike Banning in einer Szene aus dem Film "London Has Fallen".

München - Leider verpasst der Regisseur Babak Najafi mit „London has fallen“ die Chance, die westliche Politik zu hinterfragen. Im Ansatz gut, in der Durchführung mangelhaft.

Schade. Der Ansatz ist so gut – wird aber leider völlig verschenkt. Verwunderlich, denn Regie führt in diesem Thriller Babak Najafi, ein gebürtiger Iraner. Da könnte man meinen, dass er ein etwas differenzierteres Weltbild vermitteln möchte. Doch nein, am Ende gewinnt Hollywood. Und will uns mal wieder auf großer Leinwand weismachen, dass die Guten stets die USA sind; und das Gute siegt bekanntlich immer.

Man hätte so viel mehr aus dieser Idee machen können: Sämtliche Staatsoberhäupter der westlichen Welt kommen nach London zur Beerdigung des britischen Premierministers. Tatsächlich ist die Trauerfeier inszeniert – von Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul), pakistanischer Waffenhändler und meistgesuchter Verbrecher der Welt. Der nutzt die Gelegenheit, alle Politiker mit einem Mal zu töten. Und während Angela Merkel gleich beim ersten Schuss darniederliegt, gefolgt von ihren italienischen, französischen und allen anderen männlichen Kollegen, hält nur einer wacker die Stellung: US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart). Dank seines Bodyguards – Schrägstrich: Übermenschen – Mike Banning (Gerard Butler). Natürlich hat der eine Frau daheim, die gerade ihr erstes Kind von ihm erwartet. Und natürlich werden die letzten Worte von Bannings Chefin Lynne Jacobs (Angela Bassetts) sein, dass er überleben müsse, um sein Kind zu sehen. Ach ja, und: „Make these Fuckers pay.“ Diese „Saftsäcke“, die sie meint, sind die Barkawi-Anhänger, die gefühlskalt durch Londons Straßen jagen, dabei töten und Denkmäler zerstören. Das übrigens sehr hübsch durch VFX-Technik arrangiert.

Dass der Westen selbst im Milliardengeschäft Waffenhandel ordentlich mitmischt, dass er in Pakistan Zivilisten im Kampf gegen Terroristen tötet – es wird angedeutet. Die Mörder bringen den Krieg in die friedvolle Stadt, damit die westlichen Führer spüren, wie es sich in Homs oder Aleppo anfühlt. Ein Horrorszenario, das Denkanstöße hätte geben können. Aber doch nur der Vorwand ist für einen weiteren Actionthriller à la „einer gegen alle“. Guter Ami, böser Terrorist. Unterlegt mit aufwallender Musik und pathetischen Sprüchen. Ach, zu schade.

„London has fallen“

mit Gerard Butler

Regie: Babak Najafi

Laufzeit: 99 Minuten

Erträglich

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Action- und USA-Fan sind.

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