Nach einer wahren Begebenheit

"Nächster Halt: Fruitvale Station": Mordfall Oscar Grant

Berlin - „Nächster Halt: Fruitvale Station“ schildert den Mordfall Oscar Grant. Im Jahr 2008 wurde der junge Schwarze bei einer Kontrolle von Polizisten erschossen. Regisseur Ryan Coogler hat ihm nun ein filmisches Denkmal gesetzt.

Es dauert 30 Tage, ein besserer Mensch zu werden. Sagt Amerikas bekannteste Hobbypsychologin Oprah Winfrey. Wenn du deine Gewohnheiten ändern möchtest, halte dich 30 Tage an die neuen Regeln, und die Chance ist groß, dass du es diesmal für immer schaffst. Doch was, wenn dir keiner mehr 30 Tage gibt? Weil du schwarz bist und in einer Welt lebst, in der die Farbe der Verbrecher ist?

Erst 2008 wurde in San Francisco ein junger, schwarzer Mann, Oscar Grant (Michael B. Jordan), von Polizisten bei einer Kontrolle erschossen. Ihm hat Regisseur Ryan Coogler nun ein filmisches Denkmal gesetzt, das zeigt, wie perfide Polizeigewalt auch heute noch nicht nur in den USA ist. Bewusst stellt er Aufnahmen von Handykameras, die Zeugen 2008 drehten, an den Beginn.

Wie ein Damoklesschwert hängt über jeder Szene nun der Gedanke an diese Anfangsbilder – und der Zuschauer wird das Gefühl nicht los, dass jeden Moment etwas Schlimmes passiert.

Dabei entwickelt sich anfangs alles positiv: Der ehemalige Knast-Dauergast Oscar hat sich Oprahs Worte zu Herzen genommen und möchte ein besserer Mensch werden. Er wirft die Drogen weg, kümmert sich um seine Familie, versucht, auf legale Weise Geld zu verdienen.

Umso schockierender die harte Wende am Ende des Films. Sie macht sprachlos und wütend. Coogler kommentiert nicht, lässt selbst Oscars Mutter nach dem „Unfall“ nicht Rache fordern – weil auch das die perfiden Machtspiele weißer Polizisten gegenüber schwarzen Bürgern nicht beenden würde. Auch Filme wie dieser können das nicht. Doch ist er zumindest eine kleine Form der Gerechtigkeit für Oscar Grant.

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Ron Koeberer/The Weinstein Company/DCM Filmverleih

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