NSU-Nagelbomben-Attentat

„Der Kuaför aus der Keupstraße“: Institutionalisierter Rassismus

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Eine Szene aus dem Film: Er erzählt die Geschichte des Nagelbombenanschlags vor einem türkischen Frisörsalon in der Kölner Keupstraße.

München - NSU-Akte ist noch längst nicht abgearbeitet - das beweist der Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“. Darin wird institutionalisierter Rassismus in Deutschland aufgedeckt.

Noch immer ist vielen Menschen die Keupstraße kein Begriff. Dabei ereigneten sich in der Straße in Köln-Mülheim zwei der größten deutschen Skandale der vergangenen 20 Jahre. Vor einem Friseurladen wurde am 9. Juni 2004 eine Nagelbombe gezündet, 22 Menschen wurden verletzt. Seit dem Auffliegen des rechtsterroristischen NSU wird diesem das Attentat zugeordnet. Die von Verfassungsschutz und Polizei ungebremste Mordserie, der Rassismus der Behörden: Vor allem der zweite Aspekt wird in Andreas Maus’ leisem, manchmal etwas langatmigem Dokumentarfilm erläutert. Er lässt die Bewohner der Straße zu Wort kommen – teils in Interviews, teils in von Schauspielern nachgestellten Verhören.

Im Mittelpunkt steht der türkische Salon. Der Betreiber, sein Bruder und Nachbarn erzählen, wie es ihnen nach dem Anschlag erging. Schon kurz nach Detonation der Bombe schloss der damalige Innenminister Schily einen terroristischen Hintergrund aus. Statt die Menschen als Opfer zu behandeln, beschattete die Polizei viele von ihnen und ließ durchblicken, dass man die Täter eher unter Ausländern als unter Deutschen suchte. Maus arbeitet den institutionalisierten Rassismus heraus. Wer glaubt, die Akte NSU könne nach dem Prozess geschlossen werden, wird eines Besseren belehrt. hil

„Der Kuaför aus der Keupstraße“

Regie: Andreas Maus

Laufzeit: 94 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Aufklärung wollen.

Kathrin Hildebrand

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