Frustrierend und unnötig

Plumpes Puppentheater aus Porzellan in "The Boy"

THE BOY
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Szene aus dem Kinofilm "The Boy" mit Lauren Cohan.

München - Der Film „The Boy“ verschenkt sein Potenzial und metzelt alle Spannung dahin. Die Darsteller bemühen sich sichtlich, was das Kinovergnügen umso mehr zum Frust werden lässt. 

Man wünscht sich fast, „The Boy“ wäre ein schlechterer Film: wünscht sich, die Darsteller wären nicht so aufrichtig bemüht um Nuancen und Wahrhaftigkeit. Wünscht sich, das Szenenbild wäre weniger atmosphärisch. Wünscht sich, die Ausgangsidee hätte nicht solch Potenzial für echten psychologischen Schauder: Als Kindermädchen kommt die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan aus „The Walking Dead“) in ein abgelegenes britisches Herrenhaus. Doch das alternde Paar dort präsentiert einen unerwarteten Schützling: eine lebensgroße Porzellanpuppe, die sie wie einen wirklichen Achtjährigen behandeln – offenbar Ersatz für den echten Sohn, dessen Tod sie nie verwunden haben. Freilich ist dann alles nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und – als die „Eltern“ Greta mit der ein Eigenleben entwickelnden Puppe alleine lassen – auch nicht so standardmäßig übernatürlich, wie man auf den zweiten Blick glaubt.

Da aber mag man sich paradoxerweise vollends wünschen, „The Boy“ hätte eine weniger clevere Wendung parat. Denn dann wäre es nicht so frustrierend, wie unnötig und mutwillig der Film all das verschenkt. Er hätte doch nur den Tonfall durchhalten müssen! Doch was als gruseliger Gothic-Horror beginnt, reißt auf der Zielgeraden das Ruder rum zum Slasher-Splatter. Was eine unerwartet hübsche, originelle Variation des altbekannten Genre-Motivs der dämonischen Puppe hätte werden können, will plötzlich nur noch der Tausendste Michael-Myers-Aufguss sein. Dabei metzelt er alle psychologische Spannung und Glaubwürdigkeit dahin, zugunsten plumper, schematischer Schockwirkung. Sodass nur noch der Wunsch bleibt, dass einem die Fortsetzungen erspart werden, auf die der Epilog so sichtlich und selbstüberschätzend abzielt.

„The Boy“

mit Lauren Cohan, Rupert Evans Regie: William Brent Bell Laufzeit: 97 Minuten

Erträglich

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Thomas Willmann

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