Polizeiruf: Gelungener Einstand zum Jubiläum

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Wird von den Kollegen kritisch beäugt: Olga Lenski (Maria Simon) stellt sich Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) als seine neue Chefin vor.

Zwei Menschen verschwinden, werden angestrengt gesucht. Ein anderer kommt an – und wird gar nicht erwartet. Regisseur und Drehbuchautor Bernd Böhlich verschränkt im aktuellen „Polizeiruf 110“ geschickt Kriminalfall mit dem Berufsalltag der Polizisten.

Die müssen nicht nur die kleine Michelle suchen, die aus dem Kindergarten verschwunden ist, sondern auch ihren angeblichen Vater Felix Diest, der vom Freigang nicht ins Gefängnis zurückkehrte. All das hindert die Brandenburger Polizisten nicht, skeptisch ihre neue Chefin Olga Lenski zu beäugen, die eine Karriere beim BKA ausgeschlagen hat, um in der Heimat Dienst zu tun.

Der Fall, den Böhlich in „Die verlorene Tochter“ um das verschwundene Kind, den entlaufenen Häftling und eine offene Rechnung in einem astrophysikalischen Institut entwickelt, ist (trotz manchem Logikloch) solide Krimi-Unterhaltung – mit Burghart Klaußner, Tom Schilling und Valerie Koch auch in den Nebenrollen gut besetzt.

Spannender als der eigentliche Fall ist jedoch, wie sich die neue Chefin zum 40. Geburtstag der Brandenburger Krimi-Reihe bei ihren Kollegen einführt. Hier spielt der Regisseur mit dem so charmanten wie bekannten Gegensatz von Herz und Hirn. Für ersteres steht Horst Krause (Horst Krause), behäbiger Brummbär-Polizist mit großem Herz und kleinem Hund. Krauses neue Chefin Olga Lenski wird von Maria Simon gespielt, die ihren Durchbruch im Jahr 2003 mit dem Kinoerfolg „Good Bye, Lenin!“ hatte. Durch die geschickte Kameraarbeit von Thomas Plenert wird die Hauptkommissarin zunächst als rationale Ermittlerin vorgestellt: Da springt etwa die Kamera ihr schier ins Gesicht, wenn Lenski die Brille aufsetzt, um die Bilder in der Zelle des verschwundenen Häftlings zu studieren.

Es ist aber das Verdienst der Schauspieler Simon und Krause, dass sie diesen Gegensatz nicht übertreiben. Darin unterstützt sie das Drehbuch: Das Mädchen wird gefunden, weil der behäbige Revierpolizist schlau kombiniert. Die taffe Lenski dankt es dem sehr viel Älteren mit einer herzlichen Umarmung. So sieht ein gelungener Einstand aus.

Michael Schleicher

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