Kinotrailer und Filmkritik

Neuverfilmung von „Poltergeist“ bleibt lahme Kopie

Die Neuverfilmung von „Poltergeist“ bleibt eine laute und lahme Kopie in Beige und 3D des Vorbilds von 1982. Hier unsere Kinokritik.

Tobe Hooper, der derbe, subversive „Texas Chainsaw Massacre“-Schlachtknecht des amerikanischen Traums als Regisseur. Und Steven Spielberg, der Meistermaler der US-Vorstadt-Idylle, als Autor und Produzent: Das war 1982 eine Kollision, die hinterfuchsig, halbbewusst und heftig den Horror der neuen Reagan-Ära auf die Leinwand knallte. Wenn allerdings jetzt Hollywood „Poltergeist“ fleddert, dann allein wegen des Marken-Wiedererkennungswerts.

Eine gute halbe Stunde macht der von Sam Raimi produzierte Streifen noch Hoffnung, wirkliches Update, Neuverfilmung zu sein: im zitierenden und variierenden Dialog mit dem Original. Umgebettet in eine Zeit, in der nicht das weiße Fernseh-Rauschen nach Sendeschluss Schaudern macht (Was war gleich noch mal „Sendeschluss“?), sondern das Auseinanderdriften der Familie in individuelle Netze auf Tablet und Smartphone, dazu die US-Wirtschaftskrise und, äh, Elektrosmog. Zudem funktionieren Sam Rockwell und Rosemarie DeWitt erstaunlich gut als liebevoll-verspieltes, leicht überfordertes Elternpaar.

Aber sobald die Special-Effects-Geisterbahn lospoltert, befindet das Remake, „wozu die Mühe?“, knipst alle seine ambitionierteren Ansätze aus und paust bloß noch das Vorbild lauter, lahmer, in Beige und 3D ab. Da ist seine Vorstellung von Zeitgemäßheit nur noch, einen irischen Star-Fernseh-Geisterjäger (Jared Harris) zur Hilfe zu rufen statt des Mediums von Schauspielerin Zelda Rubinstein und eine Spielzeug-Kameradrohne durchs Jenseits fliegen zu lassen. Was nur eines beweist: Wie wenig gruselig und geistreich es sein kann, wenn man ein schäbiges Gebäude auf den Überresten vorvergangener Generationen errichtet.

von Thomas Willmann

„Poltergeist“

mit Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino

Regie: Gil Kenan

Laufzeit: 93 Minuten

Rubriklistenbild: © 20th Century Fox/dpa

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