Qissa: Niederschmetterndes Drama

Berlin - Ein niederschmetterndes Szenario, setzt Regisseur Anup Singh den Kino-Zuschauern von "Qissa" vor. Einen Eindruck gibt's im Kinotrailer:

Wer Irrfan Kahn in „Slumdog Millionär“ oder „Life of Pi“ gesehen hat, wird ihn hier nicht wiedererkennen. Ein Vollbart bedeckt sein Gesicht. Ein Turban verbirgt sein Haar und verleiht ihm den Habitus eines Patriarchen. Vollkommen zu Recht. In Anup Singhs „Qissa“ spielt er einen Vater. Dass dieser nun im Film ein Sikh, also ein Angehöriger einer in Indien verbreiteten, jahrhundertealten monotheistischen Religion ist, spielt dabei nur auf den ersten Blick eine Rolle. Sein Wahn steht stellvertretend für den Wahnsinn vieler.

Umber Singh (Khan) muss nach der Teilung Punjabs 1947 mit seiner Frau Mehar (Tisca Chopra) die nun pakistanische Heimat verlassen und nach Indien übersiedeln. Umso größer ist seine Sehnsucht nach einem Erben, der sein Unglück wieder lindern könnte. Doch gebiert Mehar drei Töchter. Als auch das vierte Kind ein Mädchen ist, ignoriert Umber diese Tatsache und zieht Kanwar (Tillotama Shome) kurzerhand als Sohn auf.

Auch wenn „Qissa“ ein Realfilm ist, erinnern sein mystisches Gebaren, die schummrige Musik, die Farben und die Kulissen in ihrer Surrealität an die Puppenspielserie „Märchen der Welt“, die in den Achtzigerjahren in der ARD lief. Auch darin wurden brutale Geschichten erzählt, allerdings verbrämt durch den Gestus der Fantasiegeschichte.

„Qissa“ nun zeigt ganz offen die realen Wunden und Sadismen, die Sippenzwang, Patriarchat, Familienbande und Volkstümeleien hervorrufen können. Trotz des lichtdurchfluteten Waldes, des goldenen Grases, der schönen Frauen, geraten männliche Projektion und Geschlechterkonstruktion zu Stilmitteln eines realen Horrorschockers. Ein niederschmetterndes Szenario, das Anup Singh dem Zuschauer hier vorsetzt.

Rubriklistenbild: © Ankit Mehrotra/Camino Filmverleih/dpa

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