Auch WDR, HR und RBB gestehen

Absurder TV-Schmu bei Unsinns-Rankings

rbb
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Gerade einmal 350 Online-Votings gab es für eine "Bestenliste" des rbb.

Berlin - "Die spannendsten Brücken"? "Die beliebtesten Talsperren"? Auch bei den durchgeknallten Bestenlisten von WDR, RBB und HR wurde geschummelt - aus teilweise völlig absurden Gründen.

So erklärte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Dienstag: „Das Ergebnis der Prüfung zeigt, dass die Redaktion bei zehn von insgesamt 111 Sendungen in den Jahren 2008 bis 2014 in die Reihenfolge eingegriffen hat, weil das Online-Voting entweder verzerrt war oder nicht zu klaren Ergebnissen führte. Veränderungen der Reihenfolge aus dramaturgischen Gründen hat es in keinem Fall gegeben.“ Betroffen waren etwa „Die beliebtesten Bauwerke in Nordrhein-Westfalen“ und „Die beliebtesten Ausflugsziele in NRW“.

Extra-Umfrage, weil's die Zuschauer nicht interessiert

Für die Folgen “Die beliebtesten Talsperren in Nordrhein-Westfalen”, “Die beliebtesten Spektakel in Nordrhein-Westfalen” und “Die unheimlichsten Orte in Nordrhein-Westfalen” (diese Folgen gab es wirklich!) hatten sich offensichtlich so wenig Zuschauer interessiert, dass zusätzlich ein Umfrage-Institut 1000 Menschen befragen musste, um ein Ergebnis zu erhalten.

Für die Folgen “Die beliebtesten Kunstwerke in Nordrhein-Westfalen”, “Die beliebtesten Wanderwege in Nordrhein-Westfalen” und “Die beliebtesten Tänze der Nordrhein-Westfalen” hatten ein paar der Kandidaten, die zur Auswahl standen, keine einzige Stimme bekommen. Die völlig unsinnigen Abstimmungen behielt man dennoch bei.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn habe entschieden, dass bei künftigen Staffeln der Ranking-Reihen auf Online-Abstimmungen verzichtet werden solle. Die Konzepte würden grundlegend überarbeitet.

Zwei Trickfilme hintereinander geht nicht

Laut Hessischem Rundfunk wurden in den Jahren 2011 bis 2014 29 Ranking-Sendungen neu produziert. Bei 16 davon habe es Online-Abstimmungen gegeben. Bei drei Votings sei in die Reihenfolge eingegriffen worden, ohne dass dies kenntlich gemacht worden sei.

Bei der Sendung „Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens“ seien aus dramaturgischen Gründen zwei Plätze getauscht worden, weil nicht zwei Trickfilme hintereinander platziert sein sollten. Vielleicht hätte sich die zuständige Redaktion vorher informieren sollen, dass Trickfilme im Kinderfernsehen keine Seltenheit sind. Welcher Zuschauer sich allerdings an zwei Trickfilmen hintereinander hätte stoßen können, ist die andere Frage. 

"Spannende Brücken" haben Fanclubs

Bei „Geniale Verbindungen - Hessens spannendste Brücken“ (!) sei eine Position verändert worden, weil eine kleine Gruppe das Ergebnis für eine Brücke erkennbar verzerrt habe. Dass einzelne Brücke offensichtlich Fanclubs haben, ist eines der interessantesten Erkenntnisse aus diesem "Skandal".

Bei „Die beliebtesten Stimmungslieder“ sei die Reihenfolge verändert worden, weil bei einzelnen Stücken die Senderechte nicht vorgelegen hätten. Auch das hätte man vorher prüfen können.

Gerade einmal 350 Online-Votings beim RBB

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sprach am Dienstag von zwei Änderungen in fünf Jahren. Betroffen waren die Sendungen „21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss“ und „21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss“. Die Redaktion habe eine andere Sendedramaturgie für wirkungsvoller gehalten und daher die Reihenfolge der 21 Vorschläge verändert, sagte der zuständige Programmbereichsleiter, Heiner Heller. Laut der Pressemitteilung des rbb hatten sich ganze 350 Zuschauer an dem Online-Ranking beteiligt. Ein aussagekräftiges Ergebnis ist so keinesfalls zu erhalten.

Howard Carpendale: Mit 64 Klicks zum Sieg

Doch auch Promis wie Howard Carpendale stießen auf wenig Interesse der Online-Gemeinde. Im NDR-Ranking der "spektakulärsten Rücktritte" reichten dem Schlagerstar gerade einmal 64 Klicks, um zu gewinnen. Die Stimmen von nur 13 Internet-Usern brachte den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß den zehnten Platz ein, wie Medien-Journalist Stefan Niggemeier herausfand.

Vor vier Wochen hatte das ZDF Manipulationen bei „Deutschlands Beste!“ eingeräumt. Redakteure hatten im Juli eine repräsentative Forsa-Umfrage verfälscht. Beim NDR war seit 2011 in 9 von 58 Produktionen die Rangfolge von nichtrepräsentativen Online-Votings verändert worden.

dpa/hn

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