Hetze vor laufender Kamera

Flüchtlinge? Schweizer Bürgermeister schockt ARD-Reporter

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Der Moma-Reporter Daniel Hechler.

München - Ein kleines Dorf in der Schweiz weigert sich beharrlich Flüchtlinge aufzunehmen. Morgenmagazin-Reporter Daniel Hechler ist hingefahren und was er dort zu hören bekam, brachte ihn völlig aus dem Konzept.

Die Gemeinde Oberwil-Lieli sieht auf den Bildern zunächst malerisch und freundlich aus. Mit rund 2000 Einwohnern zählt das Dorf im Kanton Aargau zu den kleineren Gemeinden in der Schweiz. Und zu den wohlhabenden. Eines wollen die Einwohner bei sich im Dorf aber nicht: Flüchtlinge. Rund acht Flüchtlinge müsste Oberwil-Leili aufnehmen. Doch der Bürgermeister weigert sich. Lieber zahlt er die Strafe von 290.000 Franken, umgerechnet rund 270.000 Euro, als acht Flüchtlinge aufzunehmen. Auch das Schweizer Nachrichtenportal blick.ch berichtete bereits über den Fall.

Daniel Hechler, ein Reporter des ARD-Morgenmagazins (kurz Moma) ist in die Schweiz gefahren um den Bericht "Ein Schweizer Dorf kauft sich frei" über das flüchtlingsunfreundliche Dorf zu drehen. Aber was er dort zu hören bekam, brachte selbst ihn als erfahrenen Journalisten aus dem Konzept.

Auf die erste Frage des Reporters antwortet der Bürgermeister Andreas Glarner, der laut dem Bericht selbst sehr wohlhabend ist, unverblümt: "Wir möchten zurzeit keine Asylbewerber aufnehmen." Hechler hakt nochmal nach: "Was sagen sie einer Familie, die am Grenzzaun steht, einer Mutter mit zwei Kindern, die verzweifelt um Einlass nach Europa bittet, um dort Schutz zu erhalten?". Völlig ungerührt antwortet Glarner: "Dass sie die Reise vergebens gemacht haben". Sie sollten umkehren, meint der Bürgermeister knallhart.  

Der Moma-Reporter gerät zusehends aus dem Konzept und fragt noch einmal konsterniert nach, warum das Dorf keine Flüchtlinge will.

Die Antwort von Andreas Glarner lässt Hechler in seinem Beitrag mal so stehen: "Das sind potentielle Sozialhilfebezüger, die uns auf immer und ewig auf der Tasche liegen", sagt der Bürgermeister.

Der Beitrag des brüskierten Reporters endet entsprechend düster: "Solche Ansichten, die bei uns als rechtsradikal gelten würden, sind hier salonfähig. Oberwil-Lieli ist letztlich ein eher dunkler Fleck der Schweiz, der mit der humanitären Tradition der Schweiz so gar nichts zu tun haben will."

Den ganzen Video-Beitrag gibt es hier.

vf

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