Immer spannend

"Señor Kaplan" ist so einfach wie genial

Der Kinofilm „Señor Kaplan“ von Álvaro Brechner ist eine charmante Komödie – vor ernsthaftem Hintergrund. „Señor Kaplan“ rollt die Nazithematik von der komischen Seite auf.

Nazis ziehen immer. Das klingt freilich sehr salopp, wenn man bedenkt, dass sich hinter diesem Wort der Kulminationspunkt menschlicher Bestialität verbirgt. Doch filmisch gesehen funktioniert das Thema bestens. Man weiß, wer gut und wer böse ist. Und es ist immer spannend. „Señor Kaplan“ rollt die Nazithematik von der komischen Seite auf. Der uruguayische Regisseur Álvaro Brechner erzählt die Geschichte des alternden Juden Jacob Kaplan (Héctor Noguera), der vor seinem Lebensende noch eine sinnvolle Tat vollbringen will. Als er gerüchteweise erfährt, dass ein mutmaßlicher Altnazi seit Jahrzehnten unerkannt am Strand von Montevideo haust, wittert er seine Chance: Gemeinsam mit dem Ex-Polizisten Wilson (Néstor Guzzini) macht er sich auf die Jagd.

Die Handlung ist so einfach wie genial. Mit den Mitteln des Buddy-Films – zwei völlig unterschiedliche Figuren ziehen gemeinsam los – entwickelt Brechner eine charmante Komödie: Sie ist skurril, ironisch, voller Liebe zu den Protagonisten und vermittelt ein ernstes Thema mit Leichtigkeit. Raffiniert spiegelt sich der Inhalt in den Bildern. Die Verzweiflung der Hauptfiguren findet sich in den Augen, den Körpern wieder, während die sonnige Umgebung und der Blickwinkel der Kamera das verspielte Moment hineinbringen.

Die Hauptdarsteller sind ein Glücksfall. Während Héctor Noguera eineinhalb Stunden lang alle Emotionen deckeln muss und so die verzweifelte Würde eines Möchtegernhelden evoziert, darf sich Néstor Guzzini gehen lassen. Niemals jedoch sind es die großen, plumpen Gesten, die ihn als Tollpatsch und Verlierer ausweisen. Die kleinen Regungen sorgen für die größten Lacher.

von Katrin Hildebrand

„Señor Kaplan“

mit Héctor Noguera

Regie: Álvaro Brechner

Laufzeit: 98 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie die Komödien mit Gérard Depardieu und Pierre Richard mochten.

Rubriklistenbild: © Snacktv

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