Hintergrundgeschichte

Woher kommt die Gewalt im Gangsta-Rap?

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Sie sind die Film-N.W.A.: Aldis Hodge als MC Ren, Neil Brown Jr. als DJ Yella, Jason Mitchell als Eazy-E, O’Shea Jackson Jr. als Ice Cube und Corey Hawkins als Dr. Dre (v. l.i.) in „Straight Outta Compton“ .

In "Straight Outta Compton" erzählt Regisseur Felix Gary mit Hilfe von Musiker Ice Cube und Dr. Dre die Entstehungsgeschichte des "Gangsta-Raps" aus den verschiedensten Perspektiven.

Eine wahre Begebenheit. Und eine Art Legende. Zumindest kann man eine solche aus der Geschichte der US-amerikanischen Hip-Hop-Gruppe N.W.A. machen. In der Musikszene gelten die sogenannten Niggaz Wit Attitudes (offensiv für „Nigger mit Standpunkten“) zwar nicht als Begründer, aber doch als erste erfolgreiche Band des Gangsta-Rap. Diese Spielart des Hip-Hop entstand Mitte der Achtziger an der US-Westküste und setzte sich besonders schonungslos mit der sozialen Situation der zumeist afroamerikanischen Musiker auseinander. Der Ton ist protzig, aggressiv, klischeehaft, fast immer frauenfeindlich und gewaltverherrlichend.

Das klingt nicht besonders ansprechend, die Gewalt hat jedoch einen sozialen Hintergrund. Die Burschen von N.W.A. und viele andere Rapper haben das rassistische Amerika, die Brutalität der Polizei gegenüber Schwarzen und die nachteiligen Lebensumstände der afroamerikanischen Bevölkerung am eigenen Leib erlebt. Kein Wunder, dass einer ihrer berühmtesten Songs „Fuck tha Police“ heißt. „Straight Outta Compton“ ist das bedeutendste Album von N.W.A.

Gefühlte Ewigkeit in verschiedenen Genres

Nach diesem wurde nun auch Felix Gary Grays Filmbiografie über die Band benannt. Der Regisseur von „The Italian Job“ drehte früher viele Hip-Hop-Videos, unter anderem für die Musiker Ice Cube und Dr. Dre. Diese beiden wiederum waren Mitglieder von N.W.A. und haben das Drama nun mit produziert. Mehr als zwei Stunden dauert die Geschichte über Erfolg und Niedergang der Hip-Hop-Legende. Das ist eine Ewigkeit, doch ist es dem Regisseur gelungen, den Zuschauer kurz vorm Abdriften immer wieder zurückzuholen. Dabei streift Gray die verschiedensten Genres. 

Er beginnt mit dem Gangsterfilm, wenn er uns Einblick in die Lebensumstände des Dealers und späteren N.W.A.-Rappers Eazy-E (grandios: Jason Mitchell) gewährt. Gray bemüht aber auch das klassische Drama, wenn er von den Konflikten innerhalb der Band erzählt. In den sonnigen Bildern dekadenter Pool-Parties greift er seine eigene Musikvideo-Vergangenheit auf und tendiert zum Ende hin – passend zur wahren Geschichte – in Richtung Melodram. Die wenigen schwachen Momente der Bandbiografie resultieren daraus, dass Mitglieder wie Dr. Dre und Ice Cube Einfluss auf den Film ausübten.

Ein sehr aktuelles Thema

Cube hat nicht nur mitproduziert, sondern lässt sich auch von seinem eigenen Sohn O’Shea Jackson Jr. darstellen. Die Verzahnung zwischen Machern und Thema verhindert freilich einen kritischeren, distanzierteren, ironischeren Umgang mit der Bandgeschichte und den Inhalten des Gangsta-Raps. Was „Straight Outta Compton“ jedoch eindrucksvoll darstellt, ist der Rassismus von Teilen der US-Polizei. Ein Thema, das derzeit wieder höchst aktuell ist. 

Mit O’Shea Jackson Jr., Jason Mitchell, Corey Hawkins

Regie: Felix Gary Gray 

Laufzeit: 147 Minuten 

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „8 Mile“ mochten.

Katrin Hildebrand

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