Jetzt auch bei uns im Kino

Filmkritik zur umstrittenen Nordkorea-Satire "The Interview"

Berlin - Die Satire "The Interview" machte schon Schlagzeilen, bevor sie überhaupt ins Kino kam: Nach einem Hackerangriff und angeblichen Drohungen stoppte Sony den Kinostart, nun ist der Film aber doch auf der Leinwand zu sehen.

Den Hackern, die mit ihren Aktionen die weltweite Veröffentlichung von „The Interview“ verhindern wollten, fehlte ganz offensichtlich der Sinn für den Borderline-Humor, der das Duo James Franco und Seth Rogen schon seit Jahren auszeichnet. Mit der absurd überdrehten Kifferkomödie „Ananas Express“ gelang den Kumpels Franco und Rogen 2008 ein großer Überraschungserfolg. Doch erst 2013 schafften sie es, ein weiteres gemeinsames Projekt zu realisieren: „Das ist das Ende“, eine verrückte Apokalypse, in der sich die letzten Überlebenden einer Außerirdischen-Invasion in Francos Privathaus zusammenrotten und um die verbleibenden Chipstüten streiten.

Humoristisch gesehen bleiben sich die beiden auch in „The Interview“ treu: eine überspannte Geschichte mit komplett durchgeknallten Akteuren (darunter natürlich sie selbst), politisch unkorrekte Pointen am laufenden Band und ein paar Gags zu den absolut verbotenen Themenkreisen Sex und Drogen. Diesmal ist das Ganze dazu noch versehen mit einem Hauch Politik. Denn David Skylark (James Franco) ist ein erfolgreicher TV-Moderator. Allerdings zählt seine Sendung, für deren enorme Einschaltquoten vor allem der clevere Redakteur Aaron Rapaport (Seth Rogen) verantwortlich ist, eher zu den allgemein belächelten Klatschmagazinen. Als Skylark und Rapaport durch Zufall erfahren, dass Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (Randall Park) ihre Show liebt, laden sie ihn kurzerhand zu einem Interview ein. Tatsächlich reagiert Nordkorea prompt, und zwar mit einer Gegeneinladung: Interview ja, sehr gerne, aber bitte nur im Palast in Pjöngjang. Dort fliegen die zwei dann auch hin – allerdings beauftragte sie der US-Geheimdienst noch kurz zuvor, den Diktator, Personifizierung des Erzfeindes der freien westlichen Welt, während ihres Aufenthaltes umzubringen.

Was folgt, ist erwartbar – und auch wieder nicht. Selbstverständlich wird das Lebenslichtlein von Kim Jong-un schließlich ausgelöscht sein. Doch wie es dazu kommt und was zuvor noch passiert, ist ebenso gnadenlos, treffend und selten tiefschürfend wie die vorherigen Komödien des Duos. Vergleiche mit Charlie Chaplins „Der große Diktator“ oder Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“, die in den Wogen der Empörung rund um die Zensur des Films oft mitschwangen, passen nicht. Zwar lebt auch hier der Tyrann noch, der im Film das Opfer des Spottes wird. Damit sind die Gemeinsamkeiten zwischen den brillanten und anspielungsreichen Satiren und dieser verrückten, leicht politisch grundierten Komödie aber schon erschöpft.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Columbia Pictures/Sony

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