Drama mit Michelle Williams und Tom Schilling

Trailer zu "Suite Francaise": Weltkrieg im Kleinen

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Tom Schilling als Kurt Bonnet in "Suite Francaise".

München - Saul Dibb hat mit „Suite Française“ den gleichnamigen Roman von Irène Némirovsky angenehm unsentimental verfilmt. Über eine vergiftete Dorfgesellschaft und den Krieg im Kleinen.

Als die ukrainische Jüdin Irène Némirovsky im Sommer 1942 in Paris verhaftet wurde, ließ sie viele eng beschriebene Seiten Papier zurück: Ein Romanfragment; nur zwei von fünf Teilen konnte die Autorin vor ihrer Festnahme fertigstellen. 1998 wurde es wiederentdeckt – nun hat Regisseur Saul Dibb den zweiten Teil verfilmt.

Er spielt 1940 in Frankreich: Im Örtchen Bussy lebt Lucile (Michelle Williams), deren Mann an der Front kämpft, mit ihrer Schwiegermutter (Kristin Scott Thomas). Obwohl bereits Bomben auf Paris fallen, ist der Krieg weit weg. Doch dann kommen die Flüchtlinge aus der Hauptstadt, die Bomben und die Deutschen: Während der Pfarrer noch den Zusammenhalt des Dorfes beschwört, donnern auf der Straße bereits die Stiefel der Wehrmacht. Als die sich im Ort breitmacht, wächst unter den Bürgern die Anspannung. Bald herrschen Misstrauen, Feindseligkeit und Denunziantentum. Dazu kommt die Profitgier der Großgrundbesitzer, die aus dem Leid der Flüchtlinge Kapital schlagen. Lucile, die mit all dem nichts zu tun haben will, wird plötzlich mitten hineingezogen – der Worte ihres Vaters eingedenk: „Im Krieg zeigen Menschen ihr wahres Gesicht.“

In Bussy spielt sich der Krieg im Kleinen ab. Er vergiftet die Dorfgemeinschaft, lässt Menschen erkennen, was richtig ist, und sie dennoch das Falsche tun. Die exzellente Besetzung bis in die Nebenrollen (Matthias Schoenaerts als deutscher Offizier, Tom Schilling als bösartiger Soldat) trägt dazu bei, dass der Film nie zum sentimentalen Klischee wird. Und so bleibt, wie oft, die Frage: Was wäre gewesen – unter anderen Umständen?

„Suite Française“

mit Michelle Williams

Regie: Saul Dibb

Laufzeit: 107 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Abbitte“ mochten.

Johanna Popp

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