Jeff Nichols’ vierter Spielfilm

Trailer zu „Midnight Special“ - Alles ist im Fluss

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Auf einer durch und durch seltsamen Reise befinden sich (v. li.) Lucas (Joel Edgerton), Roy (Michael Shannon), Alton (Jaeden Lieberher) und Sarah (Kirsten Dunst).

München - „Midnight Special“ ist eine wilde Genre-Melange, die dennoch wunderbar funktioniert. Regisseur Jeff Nichols schickt seine Protagonisten auf eine durch und durch seltsame Reise.

Verquast, verworren, an den Haaren herbeigezogen. Immer wieder schießen Gedanken wie diese hoch. Denn Jeff Nichols schickt seine Protagonisten und den Zuschauer in seinem mittlerweile vierten Spielfilm auf eine durch und durch seltsame Reise. Dass der US-Regisseur ein Faible fürs Krude und Übersinnliche hegt, hat er bereits mit „Take Shelter“ bewiesen. Darin baut ein Mann einen Schutzbunker, weil ihn schreckliche Visionen plagen.

In „Midnight Special“ gibt es keine Visionen mehr. Das Übersinnliche ist real und verbirgt sich einer alten Drehbuchtradition gemäß hinter dem Antlitz eines Kindes. Der achtjährige Alton (Jaeden Lieberher) verfügt über schwer bestimmbare übermenschliche Kräfte. Sein Vater (Michael Shannon), dessen Exfrau (Kirsten Dunst) und ein Freund (Joel Edgerton) haben den Buben einer Sekte entrissen, die ihn als eine Art Prophet feierte, und fliehen nun vor den religiösen Eiferern und dem FBI.

Auf ihrer Fahrt fließen diverse Genres auf fast verwirrende Art ineinander. Das wilde, aufbegehrende Moment des Roadmovies, die Dringlichkeit des Thrillers, die betuliche Nabelschau des Familiendramas und die jeder Bodenständigkeit spottende Hybris des Science-Fiction-Films: Dass diese Melange dennoch funktioniert, gleicht einem Wunder und ist doch keines.

Trotz aller Absonderlichkeiten bleibt die Geschichte im Fluss, verliert – von einigen kurzen Momenten abgesehen – niemals an Spannung und behält trotz aller Tragik einen Hauch von Humor. Den Rest besorgen die exquisite Darstellerriege, aus der Joel Edgerton als bodenständiger Begleiter besonders herausragt, die atmosphärischen Bilder und ein Finale, das vielleicht mehr ist als eine Spielerei. Womöglich stecken dahinter ein erhabener, edler Wunsch und eine große Vision. Zu hoffen ist es.

„Midnight Special“

mit Kirsten Dunst, Michael Shannon, Joel Edgerton Regie: Jeff Nichols

Laufzeit: 111 Minuten

Sehenswert

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Katrin Hildebrand

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