Kinotrailer und Filmkritik

Die "Trapp-Familie" hat keinen echten Schwung

Regisseur Ben Verbong setzt in seiner Neufassung der „Trapp Familie“ nach dem Musical „The Sound of Music“ zu wenige eigene Akzente

Vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien ist das fünffach oscarprämierte Musical „The Sound of Music“ von 1965 Kult. Julie Andrews, die im Jahr zuvor als singendes Kindermädchen Mary Poppins einen Oscar für die beste Hauptrolle abräumte, wurde als singende Nonne Maria gleich nochmal nominiert. Stets mit munteren Liedchen auf den Lippen nimmt sie sich in der in den Dreißigerjahren angesiedelten Geschichte der österreichischen Familie von Trapp an. Die Mutter der sieben Kinder ist gestorben, und der Vater erweist sich als komplett überfordert. Die Ordensfrau richtet’s, erobert auch noch das Herz des Witwers und wandert mit der Familie in die USA aus. Warum man diese Geschichte noch einmal neu erzählen muss, bleibt ein Geheimnis der Produzenten und des Regisseurs Ben Verbong.

Seine Sicht ist zwar leicht verändert – wirklich neu ist sie nicht. Und innovativ ist an „Die Trapp Familie“ gar nichts. Verbong erzählt aus der Perspektive der Trapp-Tochter Agathe (Eliza Bennett). Doch was anfangs Hoffnung auf einen modernen Ansatz weckt, etwa einen Blick auf das Zusammenwachsen einer Patchwork-Familie unter schwierigen Bedingungen, läuft ins Leere. Überraschend ist neben der wenig innovativen Kameraführung zudem, dass im Gegensatz zum Original wenig Musik zu hören ist. Zwar brechen die Protagonisten manchmal unvermittelt in Gesang aus, viel Schwung kommt dabei nicht auf. Der einzige Akzent, den Verbong setzen kann, ist der genauere Blick auf gesellschaftliche und politische Hintergründe der frühen Nazi-Zeit. Inmitten all der blitzsauberen Dirndl, gestärkten Schürzen und sattgrünen Almen gelingt Verbong dank des großartigen Cornelius Obonya in einer Nebenrolle ein kurzer Blick in die Abgründe jener dunklen Jahre.

„Die Trapp Familie“

mit Yvonne Catterfeld

Regie: Ben Verbong

Laufzeit: 95 Minuten

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Rubriklistenbild: © Concorde Filmverleih/dpa

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