TV-Kritik: Tatort "Heimatfront"

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Unter Verdacht: Vier Afghanistan-Rückkehrer.

Berlin - Der Saarländische Rundfunk hat den Tatort "Heimatfront" produziert und sich dabei viele Gedanken um Krieg und Frieden, um Liebe und Kameradschaft gemacht. Die Umsetzung ist schonungslos. Eine Kritik:

Wenn der kleine Saarländische Rundfunk alle Jubeljahre mal einen „Tatort“ produziert, dann haben sich viele Leute viele Gedanken über ein Thema gemacht. Ach was, ein Thema? In „Heimatfront“ (ARD) geht es um Krieg und Frieden, es geht um Liebe und Kameradschaft, Politik und Kunst. Wobei die Kunst erst mal nur für den Anfangsschocker herhalten muss. Vier Soldaten stehen im Verdacht, eine Frau im Engelskostüm während einer Performance aus 400 Metern erschossen zu haben. Für die Kommissare Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber) sind sie kaum zugänglich. Weil sie während ihres Afghanistan-Einsatzes viel verloren haben, vor allem ihr Seelenheil. Noch nie sind so viele Soldaten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurückgekehrt wie heute.

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Es ist schlicht bedrückend zu sehen, wie diese seelischen Wunden die Welt der Soldaten auf den Kopf stellen. Wie sie sich im Alltag hart und unverwundbar geben und dann in den Therapiesitzungen heulen, schreien und verzweifeln. Wie sie darunter leiden, dass ihnen statt Anerkennung so viel Hass und Verachtung entgegenschlägt. Einer erträgt es nur mit Alkohol, ein anderer sehnt sich zurück nach dem Krieg, weil er sich vor seiner Vaterrolle fürchtet. Und einer tötet, weil er liebt.

Das Leben ist für die Soldaten zu einer Bedrohung geworden. Und das zeigt Regisseur und Oscar-Preisträger Jochen Freydank so schonungslos, dass er uns Zuschauer in die Rolle eines Scharfschützen steckt: Wenn wir schon den Krieg anprangern, sollten wir wenigstens das richtige Ziel vor Augen haben.

Katharina Fuhrin

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