Annäherung im Sperrgebiet

Unser Film der Woche: "Grüße aus Fukushima"

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Kein Lächeln im strahlenden Land: Geisha Satomi (Kaori Momoi, re.) und Marie (Rosalie Thomass).

München - Doris Dörries behutsamer, in strengem Schwarz-Weiß gedrehter Film über die Folgen von Fukushima ist unser Film der Woche. Scharfe Kontraste bringen die kargen Landschaften erst deutlich hervor.

Für die Organisation „Clowns ohne Grenzen“ reist Marie (Rosalie Thomass) nach Japan, in die atomar verstrahlte Gegend um Fukushima. Mit zwei Kollegen will sie den Überlebenden wieder ein Lächeln auf die Gesichter zaubern. Das allein erscheint angesichts der trostlosen, engen Containersiedlung, in der die früheren Bewohner der Sperrzone jetzt hausen müssen, schon wahnsinnig und vollkommen realitätsfremd. Davon abgesehen ist die hochgewachsene blonde Marie, die vor ihrer Vergangenheit flieht, auch die denkbar schlechteste Clownfrau der Welt, die alten Japaner lachen über keinen ihrer Scherze.

Die Heldinnen in Doris Dörries Filmen sind oft innerlich versehrt und in Widersprüche verwickelt. So extrem schlecht wie Marie erging es aber noch keiner vor ihr. Die großartige Rosalie Thomass verleiht der traurigen jungen Frau bei aller zur Schau getragenen Verletzlichkeit eine innere Würde. Sogar als die alternde Geisha Satomi (Kaori Momoi) sie wenig schmeichelhaft als „Elefant“ bezeichnet. Ausgerechnet diese bärbeißige Alte ist es, die Marie den Glauben an die Zukunft zurückgibt. Satomi haut mit Maries Hilfe aus der Notunterkunft ab, um wieder in ihrem früheren Haus im Sperrgebiet zu wohnen. Beim gemeinsamen Putzen und Renovieren kommen sich die zwei Frauen näher. Das, was sie verbindet, sind anfangs in erster Linie die Dämonen, die sie verfolgen. Bis sie noch andere Gemeinsamkeiten entdecken.

Doris Dörrie hat „Grüße aus Fukushima“ in strengem Schwarz-Weiß gedreht und sich von japanischen Tuschezeichnungen inspirieren lassen. Die in scharfen Kontrasten gefilmte, verwahrloste und karge Landschaft verstärkt diesen unwirtlichen Eindruck. Alles scheint mit dem Innenleben der Frauen zu korrespondieren. Deren behutsam geschilderte Annäherung erinnert an die typischen Schüler-Lehrer-Konstellationen von japanischen Klassikern bis hin zu „Karate Kid“ und „Last Samurai“, nur eben aus weiblicher Sicht. Die strenge Geisha formt aus dem „Elefanten“ zwar keine Lotusblüte, bringt ihm aber immerhin die Teezeremonie bei. Der Film „Grüße aus Fukushima“ besitzt zwar nicht den Charme wie der zauberhaft-verwunschene „Kirschblüten – Hanami“, Dörries vorausgegangener großer Erfolg. Er kommt aber sehr nahe heran.

„Grüße aus Fukushima“

mit Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Nami Kamata Regie: Doris Dörrie Laufzeit: 108 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Keiner liebt mich“ oder „Kirschblüten – Hanami“ mochten.

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