Luftig-leichte Komödie

Unser Film der Woche: „Hail, Caesar!“ zeigt, was Kino alles kann

+
Auch ein römischer Imperator braucht mal Pause? Von wegen! Der Schauspieler Baird Whitlock (George Clooney) wird in „Hail, Caesar!“ während der Dreharbeiten eines Sandalenfilms betäubt, entführt – und erwacht Stunden später auf einem Liegestuhl in einer Abstellkammer. 

München - Die Coen-Brüder verneigen sich in ihrer luftig-leichten Komödie „Hail, Caesar!“ vor dem Hollywood der Fünfzigerjahre und schafft damit einen absolut sehenswerten Film.

 

Schon wieder! Fünf Jahre ist es her, dass die Brüder Ethan und Joel Coen die Berlinale eröffnen durften. Damals war ihr postmoderner Western „True Grit“ zu sehen. Heuer gab es zum Start des Festivals ihre Komödie „Hail, Caesar!“ über die Illusionsmaschine Hollywood in den Fünfzigerjahren – ein wunderbarer, origineller, liebenswerter, raffinierter, wenn auch manchmal allzu luftig-leichter Spaß (wir berichteten).

Eddie Mannix (Josh Brolin) arbeitet während der McCarthy-Zeit Tag und Nacht als „Fixer“ für Capitol Pictures, ein fiktives Filmstudio. Das heißt, er ist verantwortlich dafür, dass die Dreharbeiten reibungslos über die Bühne gehen, die Stars pünktlich am Set erscheinen; er kümmert sich um die Finanzen, das Image seiner Schauspieler und um die Journalisten. Er inszeniert nicht, er repariert. Eddie besetzt die Rollen und holt Rat bei Geistlichen ein, wenn es um heikle Szenen in einem Bibelfilm geht. So einer wird gerade gedreht, und natürlich gibt es bald eine Menge zu tun für den Mann, der die Traummaschinerie Hollywoods nahezu alleine am Laufen hält. Kommunisten entführen den Hauptdarsteller des Bibelschinkens „Hail, Caesar!“, den eitlen Baird Whitlock (George Clooney), der deutlich an Kirk Douglas in seinen „Spartacus“-Zeiten erinnert. Aber auch bei anderen Produktionen, die parallel in benachbarten Hallen entstehen, gibt es Probleme zu lösen: Die Esther-Williams-hafte Badenixe DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) ist sichtbar zu schwanger für das enge Meerjungfrauenkostüm. Western-Jungstar Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) soll ausgerechnet im neuen Film des feinsinnigen Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) mitspielen und bringt diese George-Cukor-Ausgabe eines Regisseurs bereits nach den ersten Drehminuten schier um den Verstand.

Schon in der ersten Begegnung zwischen Doyle und Laurentz ist zu spüren, was das Kino der Coens, was Kino generell im besten Fall auszeichnet, damals wie heute: Timing. Pointen werden wiederholt, wie beim Ping Pong geht es hin und her. Gags werden gerne gedehnt, aber nie überspannt. Die Tanzszene von Channing Tatum als Matrose in bester Gene-Kelly-Manier etwa wiederholt sich wieder und wieder und ist trotzdem exakt so lang, wie man als Zuschauer braucht, um den gesamten Witz dieses optischen Echos zu begreifen. Überhaupt, die Bilder! Dass die Coens visuelle Virtuosen sind, ist längst bekannt. Mit „Hail, Caesar!“ knüpfen sie in vielen Sequenzen an die brillante Kameraarbeit von „Big Lebowski“ oder „Fargo“ an.

„Hail, Caesar!“

mit Josh Brolin, George Clooney Regie: Ethan Coen und Joel Coen Laufzeit: 106 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Burn after Reading“ mochten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.