Spektakel mit ernstem Hintergrund

Film der Woche: „Das Versprechen eines Lebens“

„Das Versprechen eines Lebens“ ist unser Kinostart der Woche. In dem Antikriegsdrama gibt Schauspieler Russell Crowe sein Regiedebüt.

Bei uns wissen nur Historienkenner mit der Schlacht von Gallipoli etwas anzufangen. In Australien dagegen ist sie Bestandteil der nationalen Erinnerungskultur. Immer am 25. April wird der Jahrestag der Landung auf der türkischen Halbinsel anno 1915 gefeiert. Australische, neuseeländische, britische und französische Truppen sollten Gallipoli während des Ersten Weltkriegs besetzen und von dort aus Konstantinopel erobern. Das Unterfangen ging schief. Acht Monate dauerten die Gefechte, dann zogen sich die Invasoren zurück. Über 100 000 Menschen kamen ums Leben.

Heuer jährt sich das Ereignis zum 100. Mal. Wie geschaffen für einen Film zum Thema. Bereits im Februar ist der dazugehörige Roman erschienen, allerdings nur auf Englisch. Dessen Co-Autor Andrew Anastasios hat auch mit am Drehbuch geschrieben. Dass Schauspieler Russell Crowe mit „Das Versprechen eines Lebens“ nun auch noch sein Spielfilm-Regiedebüt gibt – und ganz nebenbei die Hauptrolle spielt –, macht das Werk zu einem Spektakel mit ernstem Hintergrund.

Crowe erzählt sein Antikriegsdrama mit epischem Pathos. Das macht er gleich in den ersten Minuten deutlich. Schlachtszenen mischen sich mit meditativen Aufnahmen der viel beschworenen Weite Australiens, harte menschliche Realität mit den Rätseln der Natur. Als Kameramann engagierte Crowe Andrew Lesnie, der bereits Peter Jacksons „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Trilogie majestätisch bebildert hatte. In „Das Versprechen eines Lebens“ findet Lesnie für jedes Geschehen eine optische Entsprechung in der Landschaft: Krater und vertrocknete Erde für den Krieg, warme Farben und windig-luftiges Flirren für die räumliche Abgeschiedenheit Australiens, dörfliche Ruhe und ein bisschen Grün für die Hoffnung. Das mag nicht neu sein, doch sind die Aufnahmen in ihrer Qualität so exquisit, dass sie selbst kritische Zuschauer berauschen dürften. Tragischerweise verstarb der Kameramann am 27. April (wir berichteten).

Inhaltlich wechselt das Epos zwischen konservativen Erzählmustern und einem völkerverständigenden Ton: Der australische Farmer Joshua (Crowe) hat seine drei Söhne auf Gallipoli verloren. Als sich seine Frau das Leben nimmt, reist er auf die Halbinsel, um die Gräber aufzuspüren. Vom türkischen Major Hasan (Yilmaz Erdogan) erfährt er, dass ein Sohn noch leben könnte. Bei seiner Suche freundet sich Joshua mit den ehemaligen Feinden an.

Nicht der Krieg, sondern das, was er aus den Hinterbliebenen macht, steht bei „Das Versprechen eines Lebens“ im Fokus. Obwohl es dem Skript an wirklich originellen Ideen mangelt und das völkerverständigende Moment allenfalls die Tiefe von „Der mit dem Wolf tanzt“ erreicht (da die Türken zu Freunden werden, müssen die Griechen als Fieslinge herhalten), ist Crowe ein ansehnliches Regiedebüt geglückt. Elegant kontrastiert er die gefühligen, teils ein wenig klischeebeladenen Momente mit Witz sowie einem Plädoyer für Selbsterkenntnis und Läuterung.

von Katrin Hildebrand

„Das Versprechen eines Lebens“

mit Russell Crowe, Olga Kurylenko, Dylan Georgiades

Regie: Russell Crowe

Laufzeit: 111 Minuten

Rubriklistenbild: © Mark Rogers/Universal Pictures

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