Kinotrailer und Filmkritik

"The Voices": Ein irrer Trip mit Ryan Reynolds

Marjane Satrapi lässt „The Voices“ elegant zwischen schriller Groteske und Serienkiller-Drama changieren. Einen Vorgeschmack gibt's hier im Kinotrailer.

Jerry (perfekt besetzt: Ryan Reynolds) hat nicht alle Latten am Zaun. Das merkt man nicht nur an seinem dümmlichen Grinsen. In der Badewannenfabrik, in der er als Lagerarbeiter beschäftigt ist, benimmt er sich den Kollegen gegenüber viel zu freundlich und servil. Jerry will Freunde finden, denn seit einem Kindheitstrauma ist er fast durchgehend in psychiatrischer Behandlung. Jetzt gilt er nach Ansicht seiner Therapeutin als geheilt – solange er seine Tabletten nimmt. Doch mit ihnen ist das Leben öde und grau, abends hockt Jerry mit Hund und Katze auf dem Sofa. Lässt er die Medikamente weg, ist alles herrlich bonbonfarben, aufregend und seine Haustiere sprechen mit ihm. Während Kater Mr. Whiskas ihn zum Serienmord anstiftet, versucht die gutmütige Dogge Bosco, ihn zu einem guten Menschen zu machen.

Drehbuchautor Michael R. Perry schrieb seine Geschichte konsequent aus der Sicht des Serienkillers, den der Zuschauer immer mehr ins Herz schließt. Das Skript zu „The Voices“ hält sehr gekonnt die Balance zwischen Humor und Horror. Die in Paris lebende Iranerin Marjane Satrapi wurde mit ihrem autobiografischen Comic-Roman „Persepolis“ im Jahr 2000 bekannt; 2007 verfilmte sie das Buch. Vier Jahre später folgte der erste Realfilm der Künstlerin, „Huhn mit Pflaumen“. Der wurde, wie auch „The Voices“, zu großen Teilen in Babelsberg gedreht. Unterstützung fand Satrapi damals wie heute bei Produktionsdesigner Udo Kramer aus Potsdam, der schon vielen Projekten ihr beeindruckend unverwechselbares Aussehen gab.

In dem elegant zwischen schriller Groteske und tragischem Drama changierenden Film spielt die Ausstattung eine große Rolle, besonders in Jerrys tablettenlosen Phasen. Satrapi gelingt es, die Wahnvorstellungen ihres Protagonisten zu einem bizarren, poppigen Musical zu formen. „The Voices“ zeigt die Welt durch die Augen eines schizophrenen Mörders – ein irrer Trip.

von Ulrike Frick

„The Voices“

mit Ryan Reynolds

Regie: Marjane Satrapi

Laufzeit: 109 Minuten

Rubriklistenbild: © Ascot Elite Filmverleih/dpa

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