Kinotrailer und Filmkritik

"Wenn ich bleibe" gaukelt Tiefgang vor

Stuttgart - Die Teenagerromanze „Wenn ich bleibe“ von Regisseur R. J. Cutler gaukelt mit pseudopoetischen Bildern Tiefgang vor. Hier gibt es den Kinotrailer und unsere Filmkritik.

Alles beginnt harmlos. Ein bisschen wirkt es, als wolle Regisseur R. J. Cutler eine von jenen alternativ angehauchten US-Komödien erzählen, die über Hollywood die Nase rümpfen, aber dennoch nicht anecken. So sieht Cutlers Protagonistin zwar aus wie eine Highschool-Zuckerschnecke, ist aber tiefgründig und liebt Beethoven mehr als die Beatles. Ihre Eltern stammen aus der Alternative-Rock-Szene, sind immer gut drauf und zum Anbeißen knuffig. Wie um das zu untermauern, erklingt den ganzen Film hindurch Indiemusik.

Wir ahnen es: „Wenn ich bleibe“ ist keine Komödie, sondern ein Melodram. Darin geht es um ein Gedankenexperiment: Was würde ich tun, wenn ich im Koma läge, alle meine Lieben wären tot – und ich hätte die Wahl, weiterzuleben oder zu sterben? In philosophischer Hinsicht mag diese Frage interessant sein, aus menschlicher erscheint sie zynisch und, zumindest im Film, verlogen.

Chloë Grace Moretz nämlich, die sonst das coole Hit-Girl in den „Kick-Ass“-Filmen spielt, verkörpert alles andere als einen echten Menschen. Sie ist eine Projektionsfläche für Außenseiter, die sich wünschen, Teil einer intellektuellen Schickeria zu sein. Die weichzeichnerischen Bilder, in die sie der Film packt, entspringen einer Hochglanz-Welt, die mit der mal stinkenden, mal lästigen mediokren Wirklichkeit noch weniger zu tun hat als jede Hollywood-Schmonzette.

Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © snacktv

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.