Letzte Sendung

Jauch kassiert Schäuble-Abfuhr und Gegendarstellung

Finanzminidter Wolfgang Schäuble war Günther Jauchs letzter Gast
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Finanzminister Wolfgang Schäuble war Günther Jauchs letzter Gast

Berlin - In seiner letzten Sendung lud Günther Jauch Finanzminister Wolfgang Schäuble zu einem Zwiegespräch ein. Kein leichtes Gegenüber, wie sich herausstellte. Dazu gab's auch noch eine Gegendarstellung.

Seit 2011 empfing Günther Jauch jeden Sonntag im Berliner "Gasometer" Gäste zur Diskussionsrunde über das Thema der Woche. Bis zu diesem Sonntag.

Ein letztes Mal begrüßte Günther Jauch seine Studiogäste mit den Worten "zum allerletzten Mal hier live aus dem Gasometer". Anstatt die letzte Show mit einem Gespräch in einer Fünferrunde, sprich vier Gästen und Jauch, zu bestreiten, lud er nur eine Person ein: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. 

Wolfgang Schäuble bei Günther Jauch: Der ideale Gast?

Wolfgang Schäuble ist eine witziger Gesprächspartner, der mit Wissen und Weisheiten nur so um sich schmeißen kann. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass der Minister ein harter Brocken sein kann, wenn es um das klassische Frage-und-Antwort-Spiel geht. Eigentlich die besten Voraussetzungen für Jauch, ein letztes Mal sein Können als politischer Gesprächsführer unter Beweis zu stellen.

Doch Schäuble machte es ihm nicht leicht. Als Jauch fragte, wie es denn für Schäuble nach der Bundestagswahl 2017 weitergehe und einen Ruhestand ansprach, erhoffte er sich wohl eine spannende Meldung seitens des Ministers. Die Antwort war allerdings eine, mit der Günther Jauch so wohl nicht damit gerechnet hatte. 

"Ich habe nur gehört, Sie wollen die Sendung gar nicht mehr fortsetzen. Sonst könnten wir ja dieses Gespräch in zwei Jahren führen." Anstatt dem Finanzminister eine exklusive Antwort zu entlocken, schaffte er es, den Moderator zum Reden zu bringen, der in seiner Reaktion auf die Antwort ein wenig froh darüber zu sein scheint, dass die Sendung ein Ende findet: "So verführerisch diese Antwort ist, sie könnte mich nicht dazu verführen, diese Sendung zwei Jahre weiter zu führen."

Und auch auf die Frage "Schließen Sie eine erneute Kandidatur für den Bundestag aus?" kassierte Jauch eine uneindeutige Antwort: "Ich schließe aus, dass ich zu dieser Frage zu diesem Zeitpunkt irgendetwas gegenüber jedem Journalisten sagen werde." Auch als der Knatsch um Merkel und Horst Seehofer beim CSU-Parteitag zur Sprache kam, zeigte sich Schäuble not amused.

Es ist nicht leicht, Wolfgang Schäuble aus seiner Reserve zu locken. Auch nicht für einen erfahrenen Moderator wie Günther Jauch. Bei Fragen zu der aktuellen Flüchtlingssituation, die Schäuble mit einer Lawine verglich, und seiner Haltung zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel, konnte er Schäuble jedoch einige klarere Antworten als zur Bundestagswahl entlocken.

Schäuble stellte gegenüber Jauch klar, dass er mit dem Lawinen-Vergleich die Bundeskanzlerin Merkel nicht kritisieren wollte und meinte: "Ich überlege nicht jedes Wort ganz genau." Auf die Frage, wer denn dann der "Auslöser für die Lawine" ist, nannte Schäuble die Grenzsituation zwischen der Türkei und Griechenland als Grund.

Obwohl die Frage zum Ende der Amtszeit von Wolfgang Schäuble zum Ende des Gesprächs immer noch ungeklärt ist beendet Günther Jauch seine letzte mit der Bitte an die Zuschauer, seiner Nachfolgerin und Zugleich auch Vorgängerin die Treue und das Vertrauen, dass sie ihm gegenüber aufgebracht hatten, auch in Zukunft ihr zu schenken.

Günther Jauch: Gegendarstellung zum Abschluss

Das letzte Wort in der Abschlusssendung seiner Polit-Talkshow hatte übrigens nicht Jauch selbst.

Stattdessen verlas ein Sprecher eine Gegendarstellung, die Anwälte durchgesetzt hatten. Die ARD wurde von Tom Junkersdorf, Ex-Chef des Magazins "Closer", dazu gezwungen.

Junkersdorf hatte die Stellungnahme in Reaktion auf eine Jauch-Sendung aus dem Frühjahr 2014 verfasst. Damals ging es um den Umgang der (Boulevard-)Medien mit Michael Schumacher nach dessen Ski-Unfall. Moderator Jauch behauptete, dass seine Redaktion der "Regenbogenpresse" die Teilnahme an der Sendung ermöglicht hätte, auf Anfragen jedoch nur Absagen kamen. Dem widersprach nun Junkersdorf - und nutze dafür die allerletzte sich bietende Gelegenheit.

mpa/mg

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