Friedenspreis des Deutschen Films

Wolfskinder: Erbarmungslos authentisches Drama

München - "Wolfskinder" erzählt die bedrückende Geschichte von deutschen Kriegswaisen auf der Flucht ins Baltikum. Das Drama wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet. Die Kritik:

Es könnte ein idyllischer Sommernachmittag sein. Zwei Buben im Weizenfeld, die Grillen zirpen, die Sonne strahlt. Doch die zerschlissene Kleidung, das ungewaschene Haar, die dreckigen Fingernägel der beiden Brüder – sie deuten an, dass das kein nostalgischer Blick in Kindertage ist: frontale Kameraeinstellung auf das verschmierte Gesicht von Hans (Levin Liam), auf seinen sorgenvollen Blick. Ängstlich. Unsicher. Denn in den Feldern, am Wasser, auf den schmalen Waldwegen – überall lauert Gefahr. Diese Kinder sind allein. Elternlos. Und auf der Flucht.

Rick Ostermann hat fünf Jahre lang an dem Drehbuch von „Wolfskinder“ gearbeitet. Hat gründlich recherchiert, um dieses Drama nach wahren historischen Begebenheiten auf die Leinwand zu bringen. Im Juli wurde er dafür in München mit dem nationalen Nachwuchspreis des Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet. Und das völlig zu Recht.

Dieses Werk berührt mit seinen eindringlichen Bildern, den wenigen Worten, die fallen – und die den Zuschauer selbst sprachlos machen; er ist damit im besten Sinne Antikriegsfilm: Handlungen, die solches Leid erzeugen, müssen aufhören.

„Wolfskinder“ wurden nach 1945 deutsche Kriegswaisen genannt, die in den Nachkriegswirren auf sich allein gestellt ins Baltikum flüchteten. Wie verschieden sie mit dieser Situation umgingen, hat Ostermann in Gesprächen mit Zeitzeugen erfahren. Und bringt das erbarmungslos authentisch vor die Kamera.

Anhand der Geschichte von dem 14-jährigen Hans, diesem sensiblen Burschen, der noch eine Welt ohne Krieg kennengelernt hat. Er möchte sich um seinen jüngereren Bruder Fritzchen (Patrick Lorenczat) kümmern. Doch schnell wird klar, dass Fritzchen der Überlebensstärkere ist, der Jüngere, der im Krieg groß geworden und abgehärtet ist, der das System besser durchschaut und weiß, wie man sich durchschlägt. Der gelernt hat, dass jede Sentimentalität tödlich ist. Wie dieses Kind, ohne eine Miene zu verziehen, ein Pferd erschießt und ausnimmt, um den Hunger zu stillen; wie er am Ende sogar seinen Namen und seine Identität aufgibt, um bei litauischen Bauern zu überleben, wie er seiner Unschuld beraubt wurde, sich durch eine Welt kämpfen muss, für die er selbst nichts kann – das hat Ostermann meisterlich eingefangen. Und die jungen Darsteller, sie hauen einen mit ihrer schauspielerischen Leistung um. Ihre Mimik, ihr Zusammenspiel. Nur beim Baden im See dürfen sie einen Moment Kind sein. Lachen, toben, herumtollen. Bis die Soldaten kommen. (In München: Atelier.)

"Wolfskinder"

mit Levin Liam, Jördis Triebel,

Vivien Ciskowska

Regie: Rick Ostermann

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie den Streifen „Das große Heft“ mögen.

von Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Port au Prince Pictures

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