Film der Woche

"Die Wolken von Sils Maria": Futter für die Schauspieler

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Juliette Binoche (l) als Maria Enders und Kristen Stewart (r) als ihre Assistentin Valentine in "Die Wolken von Sils Maria"

„Die Wolken von Sils Maria“ ist eine kluge Produktion über die Merkwürdigkeiten des Kulturbetriebs und das Leben von Schauspielerin Maria Enders..

Die international gefeierte Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) soll in der Schweiz einen Preis stellvertretend für ihren alten Mentor und Freund Wilhelm Melchior entgegennehmen. Vor mehr als 20 Jahren spielte sie die jugendliche Hauptfigur Sigrid in dessen Stück „Maloja Snake“, ebenso in der anschließenden Verfilmung. Diese Rolle verhalf Maria einst zum internationalen Durchbruch. Sigrid verführt im Drama ihre doppelt so alte Chefin Helena und treibt sie in den Selbstmord. In einer Neuauflage des Films soll nun Maria diese Helena verkörpern. Das junge, skandalumwitterte Sternchen Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) übernimmt den Part der Sigrid. Keine leichte Aufgabe für Maria, die sich mit dem Alter und diesem Rollenangebot schwer tut.

Gemeinsam mit ihrer Assistentin Valentine (Kristen Stewart) sitzt Maria im Zug ins Engadin, als sie auch noch vom überraschenden Tod Wilhelms erfährt. Die geplante Preisverleihung wird zu einer Trauerfeier. Das Thema Vergänglichkeit lässt Maria in den kommenden Wochen der Vorbereitung auf ihre Rolle nicht mehr los.

„Die Wolken von Sils Maria“ ist ein ruhig inszenierter Spielfilm, der auf vielen verschiedenen Ebenen funktioniert. Er erzählt die Geschichte einer gereiften Frau und von deren Bedürfnis, sich in alles mit voller emotionaler Wucht hineinzuwerfen. Parallel variiert Regisseur Olivier Assayas die Idee, dass nicht nur die Kunst das Leben, sondern auch das Leben die Kunst imitiert. Das illustriert er sehr schön an den Szenen, in denen Maria und Valentine gemeinsam proben. „Die Wolken von Sils Maria“ ist ein kluger Film über die Merkwürdigkeiten des Kulturbetriebs, über Theater und Rollenspiele, Erinnerungen und Wahrhaftigkeit. Ein klassischer Schauspielerfilm, inhaltlich wie inszenatorisch. Jede Einstellung scheint auf Juliette Binoche allein oder im Zusammenspiel mit Moretz und Stewart zugeschnitten zu sein. Die fabelhafte Binoche trägt diese Verantwortung scheinbar mühelos.

Nichts an „Die Wolken von Sils Maria“ wirkt angestrengt oder bemüht, obwohl der Film mit seinen verschachtelten Erzählebenen und Perspektiven keine leichte Kost bietet. Assayas, der auch in früheren Arbeiten wie „Die wilde Zeit“ oder „Irma Vep“ bereits ein exzellentes Auge für die Inszenierung seiner Darsteller bewies, gibt seinen drei Hauptfiguren den nötigen Raum, um den seltsamen Starkult der Gegenwart zu sezieren. Daneben bleibt dem Regisseur wundersamerweise noch Zeit genug, um Landschaftsaufnahmen von traumhafter Schönheit in sein Beziehungsgeflecht zu integrieren.

Ulrike Frick

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