Ein Muss für Filmliebhaber

"12 Years a Slave": Brutales Meisterwerk

Viele Szenen sind brutal und kaum zu ertragen, doch „12 Years a Slave“ ist ein Muss für Filmliebhaber. Der Trailer zum Film und unsere Kinokritik:

Ein besonders finsteres Kapitel der US-amerikanischen Geschichte schlägt der britische Regisseur Steve McQueen in „12 Years a Slave“, seinem dritten Meisterwerk nach „Hunger“ und „Shame“, auf: Seine Leinwand-Adaption der 1853 veröffentlichten Memoiren von Solomon Northup ist eine ebenso schnörkellose wie schonungslose Anklage gegen Sklaverei und Rassismus. Sie erzählt, wie der gebildete afroamerikanische Schreiner, Musiker und Familienvater Solomon 1841 von New York in die Südstaaten verschleppt, versklavt und verscherbelt wird wie ein Stück Vieh – Beginn eines ungeheuerlichen Martyriums in der Hölle der Sklaverei unter der Knute perfider Plantagenbesitzer.

Die unsentimentale, nüchterne und darum umso packendere Inszenierung konfrontiert uns mit krassen und kraftvollen Bildern: McQueen sieht nicht verschämt weg, sondern lässt in quälend langen, schmerzhaft intensiven, schier unerträglichen Folterszenen die physische und psychische Tortur der Sklaven körperlich spürbar werden. So erleben wir etwa hautnah, wie die Peitsche den geschundenen Opfern das Fleisch in Fetzen aus dem Leib reißt. Das ist härter als so mancher Horrorschocker, und „Django Unchained“ wirkt daneben wie ein harmloser Studenten-Ulk.

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Zudem zeigt uns der Film eindringlich, was für ein entmenschlichtes System dahintersteckt: ein System aus Unterdrückung, sexueller Ausbeutung, Denunziation und totaler Willkür, dem man weder mit Fleiß noch mit Anbiederung entrinnt und in dem jeder bloß ums nackte Überleben kämpft. An der Seite von Chiwetel Ejiofor, der die Titelfigur mit großer Würde verkörpert, agiert eine imposante Starriege – darunter Paul Giamatti als skrupelloser Sklavenhändler, Paul Dano als sadistischer Sklaventreiber, Benedict Cumberbatch als feiger Sklavenhalter und, allen voran, Michael Fassbender als heimtückischer, jähzorniger, psychopathischer Plantagenbesitzer. Nach seinem Triumph bei den Golden Globes gilt McQueens erschütternder filmischer Aufschrei nun als heißester Oscar-Favorit. Er wäre ein würdiger Gewinner.

Von Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © Francois Duhamel/Tobis Film

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